Umgang mit negativen Gefühlen – Mein Weg aus der Krise

Ich bin Erzieherin in einer stationären Kriseneinrichtung und betreue dort Kinder im Alter zwischen 6 und 10 Jahren. Die Kinder sind meist schwer traumatisiert und verhaltensauffällig. Die Arbeit mit den Kindern macht mir viel Spaß, bringt mich aber auch manchmal an meine Grenzen. Um neue Impulse zu bekommen und mich persönlich weiterzuentwickeln habe ich  an der Weiterbildung ,,Schulfach Glück“ teilgenommen. Kurz vor Ende des Kurses bin ich in eine tiefe Krise gerutscht, die sich zu einer Depression entwickelte. Die Ursache lag z. T. an den schwierigen Arbeitsbedingungen, in denen ich mich häufig überfordert fühlte. Ich habe die Welt nicht mehr verstanden. Ich dachte, ,,Ich weiß doch jetzt wie das geht mit dem Glück, ich habe es doch gelernt”.

Mit der Zeit hatte ich nur noch Angst und Schuldgefühle, so dass ich nichts mehr auf die Reihe bekam. Ansonsten fühlte ich gar nichts mehr. Ich war vollkommen handlungs- und entscheidungsunfähig. Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl waren verschwunden. Erschwerend kam noch hinzu, dass ich nicht mehr schlafen konnte. Den Kurs konnte ich nicht beenden. Auch alle anderen Dinge, die mir bis dahin viel Freude bereitet hatten, wie Sport,  Gitarre spielen oder in der Natur sein, machten mir keinen Spaß. Ich hatte keine Lebensfreude und keine Zuversicht mehr. Mir kam alles sinnlos vor.
Zu allem Anderen machte ich mir auch noch ständig Gedanken, dass ich mich bei meinen Kollegen/innen überhaupt nicht mehr blicken lassen brauche. Auch wenn sie mir versicherten, dass sie Verständnis für meine Situation haben, dachte ich, ,,Sie sind sicher sehr wütend auf mich, weil ich solange ausfalle”. Kurz und gut, in meinem Kopf waren nur noch negative Gedanken. Ich konnte das schwer akzeptieren. Ich war doch immer ein so zufriedener, positiver Mensch.

Meine Familie und meine Freunde versuchten für mich da zu sein und mir zu helfen. Obwohl ich während dieser Zeit nicht gerade nett zu ihnen war und niemanden sehen wollte. Sie gaben aber nicht auf, bedrängten mich immer wieder mir ärztliche Hilfe zu suchen.
Nach einer langen Odyssee hatte ich endlich einen guten Arzt und einen guten Therapeuten gefunden. Diese erklärten mir, dass Depression eine Krankheit ist, bei der bestimmte Botenstoffe im Gehirn nicht mehr ausgeschüttet werden und dass ich dafür für nichts kann.

Die Ängste und die Gefühllosigkeit sind typische Symptome dieser Erkrankung. Damit ich erstmal aus dem ganz tiefen Loch herauskam und wieder schlafen konnte wurde ich medikamentös eingestellt. Arzt und Therapeut machten mir aber auch klar, dass ich selbst etwas tun muss, um die Depression zu überwinden. Das leuchtete mir ja auch ein, aber irgendwie ging gar nichts mehr.

 

Um es mit der Metapher vom Reiter und Elefanten auszudrücken, der Reiter wollte los, der Elefant blieb liegen und war nicht zu bewegen aufzustehen. Durch das, was ich im Glückskurs gelernt hatte, wusste ich, dass jetzt der Reiter gefordert war, den Elefanten zu überzeugen, endlich wieder in die Gänge zu kommen. Also setzte ich mir ein smartes Ziel. Morgen gehe ich ins Fitnessstudio. Der Reiter packte die Sporttasche. Aber der Elefant dachte ,,nö” und wir legten uns wieder hin.

Doch der Reiter gab nicht auf. Irgendwann ließ sich der Elefant überzeugen. Wir könnten es ja mal versuchen, probehalber. Danach stellten wir fest, dass es uns irgendwie besser ging. Okay, dann können wir ja nochmal gehen. Nach und nach ging es immer leichter und fing sogar an, wieder Spaß zu machen.

 

Die Produktion der Botenstoffe in meinem Gehirn wurde wieder angekurbelt.
Jetzt ging es langsam aber stetig aufwärts. Eines Abends nahm ich meine Gitarre wieder zur Hand und merkte, dass ich nichts verlernt hatte. Alles war noch da. Das gab mir erneuten Auftrieb und ich ging, das Erste Mal seit langer Zeit, wieder zum Gitarrenunterricht. Dann setzte ich mir jeden Tag neue kleine Ziele. Und wenn diese Ziele doch noch zu groß waren, machte ich sie kleiner, sodass ich sie erreichen konnte. Mit der Zeit gewann ich meine Kraft und mein Selbstvertrauen wieder zurück. Das Schönste war, dass meine Gefühle wiederkamen, ich wieder Gänsehaut bekam, wenn ich Musik hörte, dass ich wieder Liebe und Mitgefühl empfand. Elefant und Reiter waren wieder im Einklang.

Durch die Krankheit habe ich nochmal eine andere Sicht auf die Dinge bekommen. Es gelingt mir heute besser im Hier und Jetzt zu leben und dankbar für die Dinge zu sein, die ich bereits erreicht habe. Hierbei hat mir auch all das sehr geholfen was ich im ,,Glückskurs” gelernt und erfahren habe. So z. B. ist mir noch einmal richtig bewusst geworden, wie wichtig positive Gefühle, Engagement, soziale Beziehungen und sinnvolle Ziele für ein glückliches und erfülltes Leben sind ( siehe PERMA Modell ).

Den Kurs konnte ich mittlerweile erfolgreich beenden. Ich bin jetzt zertifizierte ,,Glückslehrerin”.

Nachdem ich wieder vollkommen gesund war sind viele wunderbare Dinge passiert. U.a. hatte ich mir geschworen, wenn ich die Krise überwunden habe, will ich bewusster leben und meine Ziele hartnäckiger verfolgen.  Eins ist mir besonders klar geworden: Ich habe schon oft in meinem Leben tolle Menschen getroffen, zu denen ich Kontakt halten wollte. Leider ist mir das nie gelungen. Ein Ziel war es also dieses zu ändern. Im ,,Glückskurs” habe ich viele interessante Menschen  kennengelernt, zu denen ich nun regelmäßig und mit viel Freude Kontakt halte.

Die Bedenken und Ängste, die ich bezüglich meiner Kollegen/innen hatte, lösten sich in Luft auf. Ich wurde sehr herzlich von ihnen empfangen. Auch die Arbeit mit den Kindern macht mir wieder viel Freude. Mein Umgang mit den Kindern hat sich nach und nach verändert. Einfach dadurch dass mein Fokus jetzt mehr auf deren Fähigkeiten und Stärken ausgerichtet ist. So gelingt es mir meist schneller eine gute Beziehung aufzubauen. Die Kinder reagieren jetzt ganz anders auf mich. Sie sind viel offener und zugänglicher. Die Situationen in denen ich oft hilflos war kann ich jetzt viel besser händeln und wenn ich doch mal an meine Grenzen komme hole ich mir Hilfe.

Einige Methoden aus dem Kurs wende ich regelmäßig an, was den Kindern und mir viel Spaß bereitet. Es ist für mich wirklich schön zu beobachten, wie diese Kinder die bereits so viel Negatives in ihrem Leben erfahren haben, für einige Momente aufblühen und einfach nur glücklich sind.

Im Nachhinein kann ich sagen, dass ich gestärkt aus dieser Krise herausgekommen bin und   dankbar bin für diese Erfahrung. Sie hat mir noch einmal verdeutlicht  wie wichtig die kleinen Dinge im Leben sind. Durch die vielen positiven Erlebnisse im ,,Glückskurs” bin ich offener und mutiger geworden, was mir natürlich sehr hilft meine Ziele zu erreichen.

Glücksmomente kann ich viel besser wahrnehmen und genießen. Denn Glück, dass weiß ich jetzt, kann man lernen.

Lydia

 

Bilder: alle Bildrechte dieses Beitrags gehören Lydia

Glück und Depression – zwei Spiegelgeschwister

Kürzlich war ich zu einer tollen Veranstaltung eingeladen zum Thema „Depression und Borderline“ – mit einem Vortrag zum „Glück“. Meine erste Reaktion: Hä? Meine zweite Reaktion: Ja, prima. Die Veranstaltung war spannend und sehr lehrreich. Vor allem die Erfahrungsberichte von Schülerinnen, die es aus der Depression geschafft haben oder gelernt haben, mit Borderline umzugehen. Es spendet Hoffnung, zu hören, wie man aus kompletter Niedergeschlagenheit, Verheimlichung, Selbstmordgedanken wieder zu einem lebenswerten Leben findet. Und es wird klar, dass Depression und Glück Spiegel-Geschwister sind.

Die Veranstaltung

Das LNK veranstaltete Anfang Juni 2018 eine Schüler-Konferenz in dem sehr schönen Kurpfalz-Theater in Bad Oeyenhausen. Das Haus ist verspielt, barock und traumhaft. Es waren etwa 300 Schüler ab Klasse 10 anwesend. Nach der sympathischen Anmoderation von Stefan Leiwen hörten wir einen informativen Vortrag „Vom Ende der Finsternis“ von Chefarzt Dr. Konkol über Depression. Mir ist wieder klar geworden, wie gut wir über Depression Bescheid wissen und doch in vielen Fällen erst zu spät helfen können. Und es wurde deutlich, wie nah sich die Themen Depression und Glück sind – quasi wie Spiegelbilder.

Danke auch an die Akademie des Glücks, das grandiose Team von GetPeople e.K. und die Sponsoren wie die Barmer.

Die Spiegel-Geschwister

Dr. Konkol zeigte ein eindrückliches Bild für Depression. Wir sahen Grau und Schwarz. Ein tiefes Loch im Boden. Auf dem Grund des Lochs eine kleine in sich gesunkene Gestalt ohne Hoffnung auf Entkommen. Sie fühlt sich allein – unabhängig davon, wie viele Menschen außerhalb des Lochs stehen.

Was ist das Spiegelbild eines grauen Lochs, in dem eine versunkene Gestalt kauert? Ja, ein farbiger Berg, auf dessen Gipfel eine Gruppe Reisender steht und den Erfolg feiert. In ein Loch fällt man <-> einen Berg erklimmt man. Im Loch sehe ich nur Loch <-> auf dem Gipfel sehe ich alles andere um mich herum.

Die Spiegel-Geschwister sind sich allerdings auch sehr ähnlich, und zwar in der Art und Weise, wie sie funktionieren. Die Mechanismen sind sehr komplex und können hier nicht ausreichend dargestellt werden. Aus meiner Sicht als Nichtmediziner sind für beide Geschwister einfach gesagt überwiegend die gleichen Gene, Hormone und Auslöser beteiligt. Zur weiteren Lektüre empfehle ich Esch (2012), Neurobiologie des Glücks.

Die verhaltenstherapeutische Behandlung von Depression ähnelt in den Themen und der Vorgehensweise an Glückstraining – beides zielt auf die Steigerung von Glücksmomenten und Lebenszufriedenheit und den besseren Umgang mit negativen Gefühlen. Beispiele dafür sind die Unterbrechung negativer Gedankenschleifen, Wahrnehmung positiver Lebensaspekte, Entspannungs- und Aktivierungsmethoden oder Umgang mit negativen Gefühlen.

Der Startpunkt unterscheidet sich naturgemäß: Bei Depressionstherapie geht es auf der Glücksskala von -5 in Richtung Plus. Beim Glückstraining von +2 auf +5.

Zu glücklich?

Allerdings gibt es auch ein „zu viel Glück“. Es gibt Menschen, deren soziale Beziehungen, Arbeitsleistung und Gesundheit negativ durch zu viele Glücksmomente beeinflusst werden. Das kann z.B. durch Drogen wie Ecstasy oder durch Erkrankungen wie z.B. Manie ausgelöst werden. Es gibt von allem auch ein „zu viel“. Allerdings denke ich, dass die überwiegende Mehrheit von uns sich da keine Sorgen machen muss 😉

Was heißt die Gemeinsamkeit von Depression und Glück für uns?

Interventionen für mehr Glück machen uns gleichzeitig widerstandsfähiger gegen Depression. Es ist absolut notwendig, darauf bereits im Schüleralter zu achten und Programme zu fördern, die Glück stärken – wie z.B. das „Schulfach Glück“ oder Glückstrainings für Erwachsene.

Glück ist nicht nur zum Spaß da! Es hat präventive und therapeutische Wirkung.
Auf zu mehr Glück!

Glückliche Grüße
Dominik

3 Fragen | 100 Tage … eine Idee, wie man sein persönliches Glücksempfinden steigern kann.

Es ist nicht einfach nur „Glück“ im Sinne von „Zufall“, ob und wie glücklich wir uns fühlen. Jeder von uns kann eine ganze Menge beitragen, sich selbst glücklicher zu machen. Zugegeben, manchen Menschen fällt das sehr leicht und andere tun sich etwas schwerer damit.

Natürlich haben auch die äußeren Umstände einen Einfluss auf unser Glücksempfinden, aber der ist lange nicht so groß wie wir oft glauben. Wie wir aus der Geschichte wissen, hat es immer wieder herausragende Persönlichkeiten gegeben, die auch unter den widrigsten Umständen ihre Lebensfreude nicht verloren haben. Und die gibt es auch heute immer wieder. Ich denke dabei an Sportler, die trotz schwierigster Verletzungen weiter trainieren, an Menschen aus Kriegsgebieten, die trotz Verfolgung und traumatischer Erlebnisse ihr Lachen nicht verlieren. Ich denke an Kinder, die in problematischen Familienverhältnissen aufwachsen und trotzdem ihren Weg in ein glückliches Leben finden. Ich denke an Menschen mit einer Behinderung, die ihren Alltag mit viel Optimismus und Freude meistern.

Wir haben alle unterschiedliche Ausgangspositionen und Voraussetzungen, aber dennoch haben wir jederzeit die Möglichkeit, uns auf den Weg zu machen. Mit einfachen Schritten können wir täglich dazu beitragen, unsere Weltsicht positiver zu gestalten. Wenn wir bewusst unseren Fokus auf die guten Dinge lenken – und von denen gibt es sehr viele! – dann wird langfristig die Welt um uns herum positiver. Man nennt das auch das „Gesetz der Anziehung“; je mehr der einzelne es schafft, seine Handlungen, Worte und Gedanken in eine positive Richtung zu lenken, umso mehr erfreuliche Dinge werden auf ihn zukommen.

Es nützt in diesem Fall nichts, unseren Kindern, Ehepartnern und Eltern zu raten, ihre Einstellung zu überdenken. Wir können nur bei uns selbst anfangen! Aber alle, die mit uns leben, werden mit Sicherheit die Veränderung wahrnehmen und dadurch angesteckt werden.

Wie geht das jetzt konkret – Handlungen, Worte und Taten?

Ja, ich kann bewusst etwas Gutes tun, mir selbst eine Freude machen oder andere mit meinen Taten erfreuen.

Bei den Worten wird es schon schwieriger – wie viel Jammern, Kritik und negative Aussagen stecken in jeder Unterhaltung, die wir mit unseren Mitmenschen führen?

Besonders schwierig wird es allerdings, wenn es darum geht, unsere Gedanken zu verändern. Wir haben ja oft das Gefühl, dass wir ihnen hilflos ausgeliefert sind. Aber das stimmt so nicht. Auch unsere Gedanken können wir mit ein bisschen Übung steuern und verändern. Zum Beispiel, indem wir immer dann, wenn wir einen negativen Kreislauf wahrnehmen, „Stop“ denken und ganz bewusst durch positive Gedanken ersetzen.

3 Fragen

Dass das Ganze nicht einfach ist, ist mir bewusst. Ich kann aber nur aus eigener Erfahrung sagen, dass es die Mühe wert ist. Was mir auf dem Weg zu einer positiven Weltsicht – und ich bin wie Sie alle immer auf dem Weg – geholfen hat, ist regelmäßiges Schreiben. Durch das tägliche Aufschreiben von positiven Dingen lenken wir unser Bewusstsein auf diese Ereignisse, Erfolge oder einfach wunderschöne Kleinigkeiten. Aus der jahrelangen Auseinandersetzung mit dem Schreiben haben sich für mich drei Fragen herauskristallisiert, die ich für besonders wichtig halte:

1 | Wofür bin ich dankbar? – Hier und jetzt

 Sonja Lyubomirksy[1] bezeichnet die Dankbarkeit als den „Königsweg zum Glück“. Sie hat in Untersuchungen mit Testpersonen herausgefunden, dass diejenigen Menschen, die täglich fünf Dinge notierten, für die sie dankbar waren, optimistischer und zufriedener mit ihrem Leben waren. In anderen Studien konnte sie auch einen deutlichen Zusammenhang zwischen Dankbarkeit und körperlicher und geistiger Gesundheit nachweisen.

Im Buch „Zuhause“* erzählt Filippa:

 „Ein guter Freund von deinem Papa hat mich vor Jahren auf diese Idee gebracht. Er heißt Udo Überflieger, ist Pilot und kommt viel in der Welt herum. Er hat uns erzählt, dass er immer wieder Briefe an Menschen schreibt, um sich bei ihnen zu bedanken. Er schreibt zum Beispiel an eine hilfsbereite Verkäuferin, einen aufmerksamen Kellner oder einen freundlichen Taxifahrer.“ 

Flo hört gespannt zu. „Und was hat dieser Udo noch erzählt?“

„Er hat mir gesagt, dass man bei solchen Briefen nicht sparsam sein sollte mit Lob und Dankbarkeit, sondern ruhig sehr großzügig damit umgehen kann. Man soll sozusagen nicht einen hauchdünnen Pinsel, sondern einen richtig dicken Malerpinsel tief in den Lobtopf eintunken und ganz dick auftragen.“

Diese Dankbarkeit muss aber nicht an einen bestimmten Menschen gerichtet sein, sie kann auch allgemein formuliert werden. In meinem Glückstagebuch richte ich die Dankbarkeit gerne an das Leben an sich.

 2 | Was ist mir gut gelungen? – Blick in die Vergangenheit

Die Orientierung hin zu unseren Stärken und weg von den Schwächen ist ein wichtiger Schritt, um glücklicher zu werden. Viel zu oft denken wir viel zu lange darüber nach, was wir alles falsch gemacht haben. Dabei gibt es jeden Tag ganz sicher etwas, das uns richtig gut gelungen ist und worauf wir stolz sein können. Natürlich sind das nicht immer weltbewegende Ereignisse, aber auch die Anerkennung von ganz alltäglichen Herausforderungen ist enorm wichtig für unser Wohlbefinden.

Im Buch „Glück“*sagt Udo:

„Viele Menschen neigen dazu, vor allem ihre Fehler und Schwächen zu sehen, und vergessen dabei auf ihre Stärken. Sieh mal Fridolin an. Er ist ein Esel. Manche würden sagen, dass er faul und stur ist. Für mich aber ist er ein treuer Freund, gutmütig, geduldig, freundlich …“ (…) „Ich sehe seine guten Seiten und nicht seine Fehler. So mache ich es auch bei allen Menschen, die mir begegnen. Und was noch viel wichtiger ist …“

Flo sieht Udo erwartungsvoll an.

„So mache ich es auch bei mir selbst.“

„Warum ist das so wichtig?“, will Flo wissen.

„Weil wir viel zu oft an uns zweifeln und ständig versuchen, alles zu können und in allem gut zu sein – aber das geht nicht.“

Flo setzt sich nachdenklich auf eine kleine Holzbank. (…)

 „Erzähl mir mal von deinem letzten Zeugnis“, fordert Udo sie auf.

„Das hab ich doch schon. Ich hatte einen Dreier in Mathe, einen Zweier in Englisch und sonst lauter Einser“, sagt Flo.

„Siehst du, genau das meine ich“, erwidert Udo aufgeregt.

„Warum sagst du nicht zuerst: ‚Ich hatte einen Einser in Deutsch, einen Einser in Musik‘ und so weiter? Warum beginnst du mit der schlechtesten Note?“

Flo sieht Udo fragend an.

„Wir schauen immer viel zu sehr darauf, was wir nicht können, und zu wenig darauf, was wir gut können.“

„Das verstehe ich nicht“, meint Flo. „Es ist doch wichtig, das zu üben und zu verbessern, was man noch nicht kann.“

„Aber genauso wichtig ist es auch, das zu üben, was man schon gut kann – nur dann kann man zum Meister in einer Sache werden.“

Die regelmäßige, bewusste Auseinandersetzung mit Dingen, die uns gut gelungen sind, hilft uns dabei, unsere Stärken klarer zu sehen und sie auszubauen. Dadurch erhöht sich automatisch auch unser Glücksempfinden. In der Schule frage ich die Kinder jede Woche, was ihnen gut gelungen ist – am Anfang war das für manche Schüler gar nicht so einfach zu beantworten. Dann durften die Mitschüler ein bisschen mithelfen – es ist ja auch ganz angenehm, von anderen zu hören, was man gut gemacht hat. Nach einiger Zeit fiel es aber den Kindern immer leichter, auch selbst zu erzählen, was ihnen gelungen ist.

Niemand ist in allen Dingen gut. Das ist auch nicht nötig. Viel wichtiger ist es herauszufinden, auf welchem Gebiet wir zum Meister, zum Experten werden können.

3 | Was wünsche ich mir? – Blick in die Zukunft

Ein wesentlicher Faktor für unser Glücksempfinden ist es, Sinn oder Bedeutung zu spüren in dem, was wir tun. Dazu ist es ganz wichtig, Wünsche und Ziele zu formulieren.

Die dritte Frage ist so zu verstehen wie ein Brief ans Christkind. In unseren Wünschen müssen wir weder vernünftig noch bescheiden sein. Wünschen kann man sich alles, auch wenn es aus heutiger Sicht unerreichbar erscheint. Wir können uns sowieso nicht aussuchen, was wir uns wünschen; das steckt in uns drinnen. Die Frage fordert uns dazu auf, regelmäßig unsere Herzenswünsche zu formulieren und dadurch ins Bewusstsein rufen.

Im Buch „Zauberhafte Weihnachten“* erzählt Flo:

„Stell dir vor, diesmal hat sogar Mama einen Brief (ans Christkind) geschrieben“, sagt sie immer noch überrascht.

„Das ist schön“, freut sich Udo. „Ich glaube, dass es gerade für Erwachsene wichtig ist, ihre Wünsche immer wieder mal aufzuschreiben.“

Flo lacht.

„Genau das Gleiche hat Mama gesagt. Machst du das auch?“

„Ja, seit vielen Jahren schon“, antwortet Udo nachdenklich.

Flo sieht ihn fragend an und Udo beginnt zu erzählen: „Ich habe auf einer Reise einen sehr interessanten Mann kennengelernt, der hat mir sehr geholfen. Ich war damals mit meinem Leben unzufrieden und wusste selbst nicht genau, warum. Irgendetwas hat mich gestört und meistens habe ich anderen Menschen die Schuld daran gegeben. Der Mann hat mir geraten, mir jeden Tag eine halbe Stunde Zeit zu nehmen, um einen Brief ans Christkind zu schreiben. Sechs Wochen lang!“

„Sechs Wochen lang jeden Tag einen Brief ans Christkind?“, wiederholt Flo ungläubig.

„Ja! Noch dazu mitten im Sommer“, lacht Udo.

„Und? Hast du es gemacht?“, will Flo wissen.

„Ja, natürlich“, erwidert Udo. „Ich war verrückt genug, dem Rat zu folgen, ohne großartig darüber nachzudenken. Ich habe mir ein schönes Schreibheft gekauft und jeden Morgen meine Wünsche aufgeschrieben. Bis das Heft vollgeschrieben war.“

„Und dann?“, kann es Flo nicht erwarten.

„Dann habe ich das Heft weggeräumt und lange nicht mehr daran gedacht. Erst viel später habe ich das Heft wieder zur Hand genommen und darin gelesen. Ich konnte mich gar nicht mehr daran erinnern, was ich damals geschrieben hatte. Das Erstaunliche aber war, dass sich viele meiner Wünsche inzwischen erfüllt hatten. Es ging mir viel besser und ich war zufrieden mit meinem Leben.“

Flo hat gut zugehört und nimmt sich fest vor, niemals damit aufzuhören, Briefe ans Christkind zu schreiben.

   

Warum 100 Tage?

Es dauert eine Weile, bis sich unser Gehirn an bestimmte Abläufe gewöhnt. Deshalb ist es ganz entscheidend, dass man über einen längeren Zeitraum möglichst regelmäßig schreibt. 100 Tage sind für mich ein schönes Ziel.

Wie und in welcher Form man die 3 Fragen beantwortet, ist ganz individuell – es kann ein einfacher Schreibblock oder ein edles Notizbuch sein. Für alle, die sich mit einer vorgegebenen Struktur leichter tun, gibt es das „Glückstagebuch“[2], in dem nach einer kurzen Einleitung die Tage und die Fragen schon vorformuliert sind. Es geht nicht darum, besonders viel oder originell zu schreiben, es geht darum, sich Zeit zu nehmen, um die Fokussierung auf das Positive und um Beharrlichkeit. Das sind sehr wertvolle Begleiter auf dem Weg zu mehr Lebensglück.

 

 

 

* aus der Reihe „Flo W. voll im Flow“, Manuela Eitler-Sedlak, erhältlich im Buchhandel

     

[1] Sonja Lyubomirsky ist Professorin für Psychologie und erforscht schon seit mehr als 20 Jahren wie Menschen ihr Glücksniveau steigern können.

[2] Das Glückstagebuch kann bestellt werden unter: www.meise-flow.at/shop

 

Glücksräume statt Pulverfässer

Ich bin seit 2012 „Glückslehrerin“ in der Berufeinstiegsschule einer Berufsschule. Für mich und meine Schule ist dieses Fach mit die einzige Möglichkeit, den immer größer werdenen Dilemma der Schüler und Schülerinnen einen Raum zu geben.

Für die unter anderem erfolgreiche Integration von jungen Menschen, die hoch traumatisiert, heimatlos, ohne Familie und unter dem Druck stehen, innerhalb kürzester Zeit, die Sprache zu lernen, einen Schulabschluß zu schaffen und und und, sind die Methoden und das Vorgehen des „Glücks“ ein „Ruheraum“. Sie können dort ohne Bewertung mal ihre Situation in Ruhe betrachten und kleine Schritte befeiern, Ziele und Herzenswünsche formulieren und verfolgen.

Wir sind sehr froh diese Methode an unserer Schule zu haben, ohne sie wage ich zu behaupten sind manche Schüler und Schülerinnen wandelnde Pulverfässer und dies wird von den Schulbehörden gänzlich unterschätzt und die Schulen damit allein gelassen.

Die dem Glück zu Grunde liegende systemische Haltung rollt so langsam als Impuls durch die ganze Schule und „wirkt“ auch mehr und mehr nachhaltig.

Für mich ist das Unterrichten des „Schulfaches Glück“ nicht nur vorteilhaft für die SuS sondern auch für uns Lehrkräfte wirkt es genauso, in der Interaktion mit den SuS.

Mit Interesse verfolge ich die ernsthafte Diskussion der Politiker in Niedersachsen ein Schulfach „Ernährung“ einzuführen. Das scheint mir zu kurz gedacht. Daher stehe ich auch schon im Kontakt mit dem Ministerium wenn schon denn schon, größer zu denken und ein Fach zu entwickeln, einmal mehr nachdenken vielleicht, das auch das „Glück“ mit implementiert.

Für mich der einzige machbare Weg, um den sich immer mehr in den Vordergrund schiebenden Dilemma von Schülern und Schülerinnen durch familiäre und gesellschaftliche Veränderungen einen Lösungsweg zu geben.

Wie seht ihr das ?

Susanne Pflüger
u.a. Glückslehrerin

Der Glücksturm

Viele Wissenschaftler, Philosophen und Forscher haben sich mit der Frage beschäftigt, ob und wieviel der einzelne Mensch zu seinem persönlichen Glück beitragen kann und welche Rolle die äußeren Umstände und die Veranlagung spielen.

Warum scheint bei manchen Menschen alles so mühelos und einfach zu laufen und bei anderen geht immer alles schief?

Laut Sonja Lyubomirsky, Psychologin und weltweit anerkannte Glücksforscherin, haben wir tatsächlich eine angeborene, unterschiedlich hohe Kompetenz für das Glücklich Sein. Sie nennt das den „Glücksfixpunkt“, der von Geburt an in uns festgelegt ist und etwa 50% unseres Glücksniveaus ausmacht. Nur ca. 10% unseres Glücksempfindens hängen von unseren Lebensumständen, also Gesundheit, Finanzen, Familiensituation und so weiter ab. Die verbleibenden 40% hängen von unserer eigenen, persönlichen Einstellung und allen Aktivitäten, die wir bewusst setzen, ab.

Natürlich können wir diese Zahlen jetzt in Frage stellen und darüber diskutieren, ob es nun wirklich immer genau zu 50% auf die Veranlagung ankommt oder ob die äußeren Umstände nicht doch mehr Wirkung zeigen – wahrscheinlich gibt es darauf so viele verschiedene Antworten wie es Menschen gibt.

Das Schöne an diesen Forschungsergebnissen für mich persönlich ist, dass wir 40%, also doch einen großen Teil, unseres Glücks selbst in der Hand haben. Für manche Menschen ist es einfacher, für manche vielleicht etwas schwieriger – aber jeder Mensch kann sehr viel selbst zu seinem eigenen Wohlbefinden und zu seiner Lebenszufriedenheit beitragen.

In meinem neuen Buch „Flo W. voll im Flow – Glück“ erzählt Flo von ihrem neuen Unterrichtsfach Glück und stellt die Frage „Kann man glücklich sein lernen?“

Der Pilot Udo Überflieger ist überzeugt davon und erklärt das alles anhand eines Turmes, den er aus bunten Bausteinen baut. Der untere Teil ist vorgegeben und bei jedem Menschen unterschiedlich hoch.

„Aber das Wichtigste kommt jetzt“, erklärt Udo und holt noch einige bunte Bausteine hervor, die er wiederum auf dem Turm platziert.

 „Diese Bausteine kannst du selbst auf den Turm stellen, wann immer du willst. Es liegt an dir, wie hoch der Turm am Ende wirklich wird.“

„Und wofür stehen diese Bausteine, die ich selber draufstellen kann?“, fragt Flo, die langsam versteht, worauf Udo hinauswill.

„Für deine Gedanken, Worte und Taten. Alles, was du denkst, sagst und tust, kann dazu beitragen, dass der Turm höher wird. Ein nettes Wort zu deiner Mama, ein Dankeschön. Wenn du etwas tust, das dir Freude macht. Wenn du anderen zuhörst und ihnen sagst, dass du sie gern hast. Wenn du weniger jammerst und versuchst, dich über kleine Dinge zu freuen …“

„Oder wenn ich mit meinem Bruder spiele?“

„Ja, genau“, bestätigt Udo. „Du kannst selbst beeinflussen, wie glücklich du bist – und natürlich kann man auch lernen, wie man das macht. Ich bin sicher, euer Glückstrainer hat einige gute Ideen dazu. Er kann euch nicht glücklich machen, aber er kann euch zeigen, wie ihr euch selbst glücklich machen könnt.“

Fest steht, dass jeder einzelne an jedem Tag für sich selbst und in seiner Umgebung etwas beitragen kann, um seinen persönlichen Glücksturm ein Stück höher zu bauen.

In einer Schulklasse habe ich vor kurzem zwei unterschiedlich hohe Glückstürme für Felix und Emil (erfunden) aufgebaut. Die Kinder sollten sich dann überlegen, welche Möglichkeiten es gibt, die beiden Türme höher zu bauen. Am Ende waren die Türme fast gleich hoch. Die Kinder haben sehr gut verstanden, worum es geht. Sie haben auch erkannt, dass es für Emil  viel mehr Aufwand war, den Turm höher zu bauen, aber dass auch Felix mit dem an sich schon hohen Glücksniveau nicht tatenlos sein kann.

Das Glück lebt

Es war ein glücklicher Samstag. 20 GlücksStifter (Teilnehmer*innen meiner Weiterbildungen) trafen sich letztes Wochenende in der Grundschule in Halstenbek, um sich über Glücksprojekte, Herausforderungen und Möglichkeiten auszutauschen – oder um einfach mal wieder eine Dosis Glück einzuatmen. Alleine sich wieder zu sehen, zu spüren, wie der gemeinsame Glückswille die Stimmung hebt und Kräfte stärkt, war traumhaft. Danke an alle Teilnehmer*innen für ihr Engagement und ihre Energie.

Die fünf Stunden vergingen im Flug – totaler Flow. Klasse, zu sehen, dass das Glück so vielfältig verbreitet wird – vom Kindergarten bis zur Erwachsenenpädagogik. Hier nur einige der vielen Projekte:

  • Tine und Kirstin:
    Umsetzung des „Schulfach Glück“ in einer Blockwoche mit angehenden Erzieherinnen. Im Wechsel zwischen theoretischen und praktischen Modulen aus dem „Glücksbaukasten“ wurden die vielfältigen Möglichkeiten Glück zu „erleben“ vermittelt. Zusätzlich gaben sie einen Einblick in ihre Arbeit bei einem Wochenendseminar zum Thema: „Kann man Glück lernen?“, welches im März erneut in der Nordseeakademie in Schleswig-Holstein stattfinden wird. Kirstin berichtete von einem Vortrag für Ehrenamtliche, die im Hospiz aktiv sind.
  • Anja:
    Jura und Glück? Passt das? Ja, wenn es den Studenten hilft, den Druck auszuhalten und bessere Lernstrategien zu entwickeln. Anja stellte ihr Konzept vor, dass sie jetzt einige Male an den Universitäten Leipzig und Berlin eingesetzt hat.
  • Petra:
    Sie wendete „Schulfach Glück“ in einigen aufregenden Situationen ein, wie z.B. in einer Brennpunktschule. Sie beschrieb die schwierigen Situationen, aber auch, wie wertvoll diese Arbeit gerade mit diesen Schülern ist und wieviel Positives zurückkommen kann.
  • Silva:
    Hat seit 2014 bis zu 5 Klassen parallel, in denen sie Glücksunterricht macht. Besondere Herausforderung: 45-Minuten-Takt. Der Unterricht muss daher sehr gut strukturiert sein. Rituale helfen bei der Orientierung.

Wir hätten auch zwei Tage daraus machen können, um alle Projekte vorzustellen und methodisch noch mehr in die Tiefe zu gehen. Toll! Und Danke für die vielen begeisterten Rückmeldungen anschließend.

Lasst uns weiter gemeinsam sinnvolle Ziele erreichen und dabei Spaß haben!

Euer GlücksStifter
Dominik

Glückliche Bildung

Mancher hat mit der Muttermilch aufgesogen, dass Bildung eine Wert-volle Angelegenheit ist und bildet sich mit Freude. Anderen stellen sich die Haare zu berge, wenn sie das Wort „Bildung“ auch nur hören. Sie denken an Zwang oder Anstrengung.

Man kann einen 14-Jährigen verstehen, wenn er nicht auf Bildung steht. Der hat wirklich anderes um die Ohren. Da stürmen ihm die Hormone durch die Gehirnwindungen mit wenig Platz für den Quatsch der Alten.

Was ist eigentlich Bildung? Wann hat sie einen Wert? Wann könnte man von „glücklicher Bildung“ sprechen?

Was Bildung ist

Es gibt unzählige Definitionen von Bildung. Alleine das Wort ist vielfältig einsetzbar. Macht man sich ein Bild? Ist Bildung eigentlich Ein-Bildung? Ist man gebildet im Bilde? Bildet man seine Meinung oder seinen Charakter?

Inspiriert durch meine praktische Arbeit in Glücks-Seminaren und durch den Humanismus, stelle ich dir hier meine Definition vor, die du so vielleicht noch nie gehört hast:

Bildung = Formung durch Wissen und Erfahrung

Wann ist also Bildung eine glückliche?
Dazu brauchen wir noch eine Vorstellung von Glück. Wer mich kennt, der hat schon von meiner Glücksformel gehört:

Glücksmomente + Lebenszufriedenheit + Umgang mit negativen Gefühlen

Die beiden Ansätze zusammen ergeben eine glückliche Bildung. Wenn das Glück Zwischenstand und Ziel ist, dann ist die Bildung der Weg dahin. Allerdings nur dann, wenn Bildung entweder Glücksmomente erzeugt, für den sich Formenden sinnvoll erscheint oder wenn sie mir erfahrbar dabei hilft, schwierige Situationen zu meistern. Und das ist erst einmal völlig unabhängig von festen inhaltlichen Vorstellungen.

Bildung und Glücksmomente

Ich habe einmal eine kleine Sache gelernt, die mich absolut glücklich gemacht hat. Warum lindert es nicht den Schmerz, nach scharfem Essen Wasser zu trinken? Warum hilft Joghurt? Das hat mein Elefant und auch mein Reiter vorher nie verstehen können. Antwort: Weil die Stoffe, die die Schärfe auf der Zunge erzeugen, nicht wasserlöslich, sondern fettlöslich sind. Bist du jetzt davon weggehauen und glücklich? Wahrscheinlich nicht. Ich war es – tagelang bin ich mit einem Grinsen rumgelaufen. Ich hatte etwas verstanden, was ich jahrelang unverständlich fand. So hat jeder seine Erkenntnisse, die glücklich machen.

Bildung und Lebenszufriedenheit

Die Beschäftigung mit Glück macht mich und dich glücklich. Eine Facette davon ist, dass jede kleine Information die du über das Thema lernst, deine Sicht der Welt ergänzt. Ich forme mich immer weiter in dem Verständnis, wie wertvoll das Leben ist, wie wir gut mit anderen Menschen umgehen und gemeinsam Ziele erreichen. Ich erfahre, wie wirkungsvoll diese Arbeit ist. Das macht sehr sehr zufrieden.

Bildung und Umgang mit negativen Gefühlen

Krisen geschehen, das ist sicher. Es macht aber einen Unterschied, wie wir damit umgehen. Wir wollen meist keine Erdulder sein – Erdulder unserer Gefühlsschwankungen, anderer Menschen, bei der Arbeit, der körperlichen Schwächen. Es fühlt sich gut an, Gestalter zu sein – Gestalter des eigenen Körpers, des Geistes, des Erfolgs. Und klar, da kommt die Bildung, d.h. die Formung durch Wissen und Erfahrung, ins Spiel. Seit ich mehr verstehe, wie wir Menschen funktionieren und wie wir besser miteinander umgehen, desto näher komme ich meinem Ziel zu einem glücklichen Leben. Ich ärgere mich nicht mehr über Autos/Personen, die sich vor mir langsamer bewegen als ich das will. Ich erreiche meine Ziele leichter, z.B. jährlich wieder auf mein Wohlfühlgewicht zu kommen. Allerdings lerne ich auch, dass mein Wohlfühlgewicht sich von Jahr zu Jahr erhöht 🙂

Macht Goethe glücklich?

Ja, wenn er Spaß macht, im Umgang mit schwierigen Situationen hilft oder erfahrbar den Lebenssinn bereichert 🙂 Und das ist sehr subjektiv.

Berufliche Weiterbildung

Der Fokus ist hier oft: Wie kann ich die Herausforderungen meines Berufs besser bewältigen. Das ist sehr wichtig. Allerdings geht es bei der glücklichen Bildung um mehr. Weiterbildung sollte einen inneren Sinn vermitteln, das größere Ganze bereichern, die Persönlichkeit stärken und einfach verdammt viel Spaß machen. Ohne Bescheidenheit kann ich sagen, dass uns GlücksStiftern das in den Seminaren gelingt. Und ich möchte dabei helfen, dass immer weiter in die Bildungslandschaft zu bringen.

Bildung in der Schulpraxis

Wer meinen Ansatz ok findet, der versteht, warum ich nicht mit der Bildung im „normalen“ Schulalltag einverstanden sein kann. Bildung ist in unserer Gesellschaft meist zu sehr Reiter-Business. Der Elefant wird ignoriert. Zu selten ist der Schulalltag geprägt von Lernbegeisterung, eigenständiger Findung von Lösungen und vom Lernen von sozialen Fähigkeiten oder Selbstregulation.

Wie und dass das funktioniert, wie Kinder begeistert von Unterricht sein können und wirklich fürs Leben lernen, das zeigen die Erfahrungen meiner Seminarteilnehmer und die Berichte hier auf dem Blog.

Lasst uns auch in Schulen und in der Weiterbildung nach dem Motto leben:

Gemeinsam sinnvolle Ziele erreichen und dabei Spaß haben

 

Wenn du Lust hast, schreib gleich einen Kommentar mit deinen Gedanken.
Dir einen glücklichen Tag 🙂

Dein GlücksStifter Dominik

Studenten stürmen Glücksvorlesung

Yale UniversityFast 1.200 Studenten möchten die Veranstaltung „Psychologie und ein gutes Leben“ der Professorin Laurie Santos besuchen – ein Rekord in der Geschichte der Yale-University. Eine logistische Herausforderung, die allerdings zeigt, wie dringend dieses Thema ist. Das zeigen auch die vielen Anfragen, die ich in letzter Zeit für meine Weiterbildungen in Berlin, Hamburg und Wien erhalte Danke!!

Hier geht es zum Artikel auf Spiegel-Online

Glück im Lehrerberuf

Was ist in Schulen für Lehrerglück wichtig? Eine Studie zeigt: vor allem Selbstwirksamkeit, Sinn und Autonomie. Heute möchte ich die wissenschaftliche Arbeit von Kathi Wachnowski von der Ruhr-Universität Bochum vorstellen. Eine engagierte Vorzeigeforscherin mit dem Herzen am rechten Fleck. Ein Gespräch mit ihr ist wie ein Sprung in einen Wissenssee.

In der Studie „Glück im Lehrerberuf“ befragte sie in Österreich und Deutschland insgesamt 931 Lehrerinnen und LehrerLehrkräfte zu ihrer aktuellen Situation und den Effekt auf ihr Wohlbefinden. Die Ergebnisse sind sehr aufschlussreich.

Formelle berufsbezogene Aspekte wie Berufserfahrung oder Schulform nehmen im Großen und Ganzen keinen Einfluss auf das subjektive Wohlbefinden (SWB).

Einfach gesagt sind diejenigen Lehrkräfte glücklicher, die selbstbestimmt und sinnorientiert arbeiten. Überraschender Weise wirkt sich eine verlässliche und hilfsbereite Persönlichkeit nicht positiv auf das Lehrerglück aus (die Details finden Sie unten). Meine persönliche Vermutung ist, dass diese wichtigen Eigenschaften der Selbstfürsorge und dem Energietanken im Wege stehen können.

Was können wir daraus lernen? Eine Erkenntnis wird dadurch gestärkt: In der Schulentwicklungsberatung sollte es nicht in erster Linie um strukturelle Aspekte gehen. Viel wichtiger sind die Einstellungen der Lehrkräfte. Wenn die Lehrkräfte das wollen, lassen sich diese Einstellungen positiv trainieren für mehr Selbstfürsorge und Ausgeglichenheit. Wenn Sie dazu mehr Fragen haben, stehe ich gerne zur Verfügung.

Los geht’s 🙂

Glückliche Grüße,
Dominik

 

Detailerkenntnisse der Studie:

  • Formelle berufsbezogene Aspekte von LuL (Verbeamtung/Anstellung, Befristung/Entfristung, Stundendeputat, Berufserfahrung) und der Schule (Schulfom, Lage der Schule, Größe der Schule) nehmen keinen Einfluss auf das Wohlbefinden (SWB), Ausnahmen: Deutsche Stichprobe: Anteil der SuS mit Migrationshintergrund beeinflusst die Lebenszufriedenheit ganz gering negativ, Österreichische Stichprobe: Schülerzahl beeinfluss Lebenszufriedenheit negativ
  • Demographie: Ältere und religiöse deutsche LuL sind glücklicher (höherer positiver Affekt, geringerer negativer Affekt); österreichische Lehrerinnen empfinden weniger häufig negativen Affekt und österreichische LuL in Beziehungen empfinden weniger häufig positiven Affekt
  • Big5: Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit scheinen eher Risikofaktoren für das SWB zu sein (vA Förderung negativen Affekts, negative Beeinflussung von Lebenszufriedenheit)
  • Erfolgserleben (D), Selbstwirksamkeit (D und AT) und Autonomieerleben (AT) sowie die Bedeutsamkeit der eigenen Arbeit (AT) beeinflussen sowohl positiven Affekt und die Lebenszufriedenheit positiv und hemmen negativen Affekt.
  • In AT sind die Lehrkräfte affektiv glücklicher (aber nicht zufriedener).
    In AT sind die Lehrkräfte engagierter bei der Arbeit und identifizieren sich eher mit der Schule. Die Gründe dafür müssen noch ermittelt werden!
  • Da für die deutsche und die österreichische Stichprobe unterschiedliche Prädiktoren signifikante Einflüsse auf die Facetten des SWB zeigen, ist zu überlegen, ob SWB möglicherweise ein kulturelles Konstrukt ist. – Unterschiedliche Gruppen schätzen unterschiedliche Dinge, hier sollte man dann auch auf die Kultur der Einzelschule schauen!

Geld allein macht auch nicht unglücklich

Macht Geld glücklich? Ja und nein? Kommt drauf an? Genau.
Glückstipps stehen ganz unten im Artikel. Aber zuerst sehen wir uns an, was die Glücksforschung uns dazu zu sagen hat.

Gücksforschung: Glück und Geld

  • Easterlin untersuchte die Entwicklung der Ökonomie in verschiedenen Ländern und verglich sie mit den Daten des subjektiven Wohlbefindens. Sein Ergebnis: In einigen Ländern stieg die effektive Kaufkraft um mehr als das sechsfache. Das Wohlbefinden blieb gleich. Ergebnis: Mehr Geld macht nicht glücklicher. Für die damalige Zeit (70er Jahre) eine überraschende Erkenntnis und bis heute nicht unumstritten.
  • Internationaler Vergleich: Betrachtet man sich das real verfügbare Haushaltsnettoeinkommen in verschiedenen Ländern in Beziehung zum Wohlbefinden fällt auf, dass in „armen Ländern“ ein klarer Zusammenhang zwischen Geld und Zufriedenheit zu sehen ist. Mehr Geld macht glücklicher. Dieser Zusammenhang wird aber für die wohlhabenderen Länder immer kleiner. Man nennt das Phänomen „abnehmender Grenznutzen„. Auch das ist nicht unumstritten, sollte uns aber zum Nachdenken anregen (z.B. über die Ziele deutscher Politik).
  • Sieht man sich nur ein einzelnes Land an, kann man einiges feststellen. Z.B. vergleichen wir uns ja in der Regel nicht mit allen Ländern der Welt, sondern vielleicht eher mit dem Nachbarn, Arbeitskollegen oder gesellschaftlichen Schicht. Hier kommt es sehr auf die eigene Einstellung an, wie der Vergleich für einen selbst ausfällt.
    Das belegen einige Studien. Zur Zeit (Dez. 2017) geht gerade eine aktuelle Studie durch die Presse. Demnach verwenden wir diejenige Vergleichskriterien, die uns gerade zur Verfügung stehen. Menschen mit überdurchschnittlich viel Geld haben die Tendenz, das auf ihre persönliche Leistung zu beziehen – was sie stolz und zufrieden machen kann. Hat man unterdurchschnittlich viel Geld, kann man immer noch im sozialen Bereich über Freunde, Familie oder gesellschaftliches Engagement punkten. Beides macht zufrieden.
  • Geld hat zudem selbst in wohlhabenden Ländern eine beruhigende Wirkung und fällt vor allem dann auf, wenn es gerade NICHT da ist („Hygienefaktor“). Geldsorgen sind immer unglücklich – vor allem wenn es um die Grundversorgung geht.
  • Zudem sind noch Glücksmomente von Lebenszufriedenheit zu trennen. Mit mehr Geld kann man den eigenen Sinn einfacher verwirklichen als ohne (z.B. Berufswahl, Bildungsmöglichkeiten der Kinder). Glücksmomente sind allerdings sehr günstig zu haben – eine Tafel Schokolade kann sich jeder von Zeit zu Zeit leisten.

Wer mehr aus der Wissenschaft dazu lesen möchte, wird z.B. über die world happiness reports, Daniel Kahneman, Ed Diener oder World Database of Happiness fündig.

Geld-Glücks-Tipps

Wenn Sie in einem wohlhabenden Land leben, dann werden Sie am besten so glücklich:

  • Wenn Sie sich vergleichen wollen, dann mit denen, die weniger haben.
  • Wenn Sie Geld übrig haben, geben Sie es für andere aus.
  • Genießen Sie auch die günstigen Momente im Leben.
  • Geben Sie Geld eher für Erlebnisse als zusätzlichen Konsum aus.

Glückliche Grüße,
Dominik