Archiv für den Monat: August 2017

Unterrichten mit Kopf, Herz und Händen

Ich durfte vor einiger Zeit im Rahmen einer großen Veranstaltung für Kindergarten-PädagogInnen und LehrerInnen einen Workshop zum Thema 

„Wie man den glückbringenden „Flow“-Zustand bei Kindern erhalten und fördern kann“ 

gestalten. Ich habe in diesen zwei Stunden Einiges über die Hintergründe meines ersten Buches erzählt und auch praktische Übungen dazu gemacht. Es war ein schönes Erlebnis für mich, die Freude und Energie zu spüren, die die 70 TeilnehmerInnen an dem Thema, aber auch an ihrer Arbeit selbst haben. Es gibt viele PädagogInnen, die eine wunderbare Arbeit für und mit unseren Kindern leisten und davon bin ich von Herzen dankbar. Es ist ein wichtiger Beitrag nicht nur für uns Eltern, sondern auch für die ganze Gesellschaft, in die die Kinder hineinwachsen und für die sie später einen Beitrag leisten sollen.

  

Auch in der Volksschule in Purbach (Österreich) , wo ich jeden Dienstag das „Schulfach Glück“ gestalte, bekomme ich immer wieder Einblicke in die großartige Arbeit der LehrerInnen. Sie machen sich Gedanken um jeden einzelnen Schüler und versuchen, die jeweiligen Bedürfnisse bestmöglich zu erfüllen – auch wenn das nicht immer einfach ist. Sie hören zu, nehmen sich Zeit und vermitteln den Kindern ein Gefühl von Sicherheit. Sie gehen auf die jeweiligen Stärken und Schwächen der Kinder ein und ermutigen sie, wo es möglich ist. Sie bauen in den, meist vier, Jahren, in denen sie eine Klasse begleiten, eine ehrliche Beziehung zu den Kindern auf – und werden vermisst, wenn sie eine Weile nicht da sind. Nur über solche Beziehungen ist echtes Lernen möglich, und damit meine ich viel mehr als Lesen, Schreiben und Rechnen…

Es ist gut, zu wissen, dass unsere Kinder nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit den Händen und vor allem mit dem Herzen lernen dürfen. Danke!

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Flow – Mit Kopf, Herz und Händen

Es gibt Momente, in denen wir vollkommen aufgehen in dem, was wir gerade tun. Alles läuft scheinbar wie von selbst und wir versinken in der Tätigkeit und nehmen nicht mehr wahr, was um uns herum passiert.

Diesen Zustand nennt man „Flow“.

Der Begriff stammt von dem in den USA lehrenden Ungarn Mihály Csíkszentmihályi. Er hat viele Forschungen mit Sportlern und Künstlern durchgeführt, um herauszufinden, was Menschen brauchen, um Flow zu erleben. Das Besondere an diesem Zustand ist, dass ein Mensch besonders glücklich ist und gleichzeitig sehr hohe Leistungen erzielen kann. Es ist ein Bewusstseinszustand, in dem das Fühlen, das Denken und das Handeln in Einklang sind und gemeinsam ein Ziel verfolgen. Dadurch werden die Hindernisse, die uns im normalen Alltag oft viel Kraft und Energie kosten, überwunden und unser Tun verläuft absolut reibungslos.

Die Fähigkeit, im Flow zu sein, hat jeder Mensch in sich. Sie ist uns angeboren.

Kleine Kinder geraten sehr leicht in diesen Zustand, wenn sie nicht durch äußere Ablenkungen gestört werden. Ich habe das schon oft bei meinen eigenen Kindern oder auch auf Spielplätzen beobachtet. Wenn Kinder zum Beispiel in einer Sandkiste sind und frei mit Sand und Wasser experimentieren dürfen, oder wenn sie sich gemeinsam Rollenspiele ausdenken. Kinder nehmen ihr Spiel sehr ernst, für sie verschwimmt die Grenze zwischen „Arbeit“ und „Spiel“. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, wenn sie manchmal heftig reagieren, wenn sie in ihrem Tun, im Flow, unterbrochen werden. Sie reagieren wütend oder beinahe aggressiv, weil sie aus einem sehr angenehmen Gefühlszustand herausgerissen werden. Mir persönlich hat diese Erkenntnis sehr geholfen, wenn es darum geht, meine eigenen Kinder zu verstehen.

Aber nicht nur Kinder können diesen glückbringenden Flow-Zustand mühelos erreichen, auch jeder Erwachsene erlebt ihn immer wieder ganz natürlich. Manche Menschen beim Sport, andere bei einer kreativen Tätigkeit, in der Natur oder beim kochen. Meistens merken wir erst im Nachhinein, dass wir vollkommen „bei der Sache“ waren und alles wie von selbst gelaufen ist. Leider passiert das im Berufsalltag eher selten und auch in der Freizeit gibt es immer wieder störende Faktoren.

Ich habe mich im Rahmen einer Ausbildung bei Prof. Dr. Manfred Winterheller eingehend damit beschäftigt, wie wir diesen Flow Zustand wieder mehr und öfter erleben können und dadurch glücklicher und erfolgreicher werden. Dabei geht es um weit mehr als um flüchtige glückliche Erlebnisse. Es geht darum, für uns selbst und in unserem beruflichen und privaten Umfeld Rahmenbedingungen zu schaffen, innerhalb derer es möglich ist, alleine oder gemeinsam mit anderen in Flow zu kommen. Wenn das passiert, verschwinden viele alltägliche Konflikte und Reibungen und vieles beginnt einfach zu „zu fließen“.

  

Zuerst ist es wichtig, herauszufinden, was uns Freude macht. Dabei sollten wir nicht an der Oberfläche bleiben, sondern tief in unserem Inneren spüren, bei welcher Tätigkeit wir uns so richtig lebendig fühlen.

Außerdem ist es von großer Bedeutung, dass unsere Fähigkeiten und die Herausforderung, der wir uns stellen, in Balance sind. Wenn die Herausforderung zu hoch ist, fühlen wir uns überfordert, wenn sie zu gering ist, fühlen wir uns gelangweilt. Nur wenn beides zusammenpasst und wir uns in einem angemessenen Maß fordern, kann Flow entstehen.

Eine weitere wichtige Voraussetzung ist, dass wir uns auf die Tätigkeit voll und ganz einlassen und uns nicht durch äußere Ablenkungen, wie Handy, Fernsehen usw. stören lassen.

Schließlich brauchen wir eine tiefe Bedeutung, ein Ziel, das wir mit unserem Tun verfolgen. Es geht dabei nicht vordergründig um die Erreichung des Ziels, sondern darum, dass wir in unserer Tätigkeit Sinn sehen.

Wenn diese vier Faktoren zusammenspielen, dann kann Flow entstehen. In meinem Buch „Flo W. voll im Flow“ habe ich versucht, diese und noch viele weitere Grundlagen zum Thema „Flow“ in Form einer Geschichte zu erzählen, die Kindern und Erwachsenen einen Einblick in eine Welt gibt, die für viele Menschen wünschenswert ist…

 

 

Aus dem Buch:

Die zweite magische Kraft, die Flo so besonders macht, ist ihre Fähigkeit, voll und ganz in dem aufzugehen, was sie gerade tut. Wenn sie von einer Sache wirklich begeistert ist, vergisst sie alles um sich herum und konzentriert sich nur auf diese eine Sache. Flo hält sich gerne im Garten der Caretta auf, beobachtet die Schmetterlinge und zeichnet alles, was sie sieht, ganz genau. Sie hat auch schon einige Male miterlebt, wie sich eine Raupe verpuppt hat und wenige Tage später daraus ein wundervoller Schmetterling geschlüpft ist. Das waren großartige Erlebnisse für Flo. Manchmal ist sie so versunken in ihre Beobachtungen und ins Zeichnen, dass sie nicht einmal hört, wenn sie jemand ruft.

Ihre Mama findet das wunderbar und meint dann: „Flo ist wieder mal im Flow.“ Als Flo sie einmal fragte, was das heißen soll, erklärte sie: „Das bedeutet, dass dein Kopf, dein Herz und deine Hände perfekt zusammenspielen. Dadurch werden deine Zeichnungen so gut und außerdem bist du in diesen Momenten zufrieden und glücklich. Stimmt doch, oder?“

Flo stimmte Filippa lachend zu und wiederholte:

 „Mein Kopf, mein Herz und meine Hände spielen perfekt zusammen. Das klingt schön!“

 „Ja, das ist auch wunderschön“, bestätigte ihre Mama. „Bewahre dir diese wunderbare Fähigkeit, Floriane. Es gibt nicht viele Menschen, die das können. Es ist ein großes Glück, wenn du etwas findest, das dein Herz erfüllt und das dir so viel Freude bereitet.“

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Ein kleines Glücksprojekt

Das Tomatenfest

Ich arbeite in einer stationären Einrichtung, mit Kleinkindern und Kindern im Grundschulalter.
Die Kinder kommen aus schwierigen Familienverhältnissen und sind zum Teil schwer
traumatisiert. Während der Eingewöhnungsphase sind diese Kinder oft sehr traurig. Aber nach und nach kann ich beobachten, wie es ihnen immer besser geht und sie wieder fröhlicher werden.

Es gibt viele Möglichkeiten den Kindern Glücksmomente zu bereiten. So z.B. saßen wir eines Abends beim Essen. Es gab u.a. Tomaten. Ich fragte die Kinder ob sie wüssten wo die Tomaten herkommen. Ein Junge antwortete spontan ,, von Lidl “. Ich erklärte ihm, dass Tomaten an einem Strauch wachsen und wir beschlossen am nächsten Tag Tomaten-und Gurkenpflanzen zu kaufen.

Gemeinsam pflanzten wir alles ein. In den folgenden Wochen kümmerten sich die Kinder eifrig um die Pflege der Pflanzen. Jedes mal wenn ich zum Dienst kam, berichteten sie mir die neuesten Fortschritte. Besonders groß war die Begeisterung als die ersten Tomaten und Gurken zu sehen waren. Ich versprach den Kindern einTomatenfest zu feiern, wenn die Tomaten reif sind. So verging die Zeit aber natürlich nicht ohne Aufregung.

Einmal geschah es, dass eines von unseren kleinen Kindern angekrabbelt kam und sich über die noch grünen Tomaten her machte. Wir hatten einige Mühe unsere Tomaten vor den Kleinen zu schützen. Doch eines Tages war es dann soweit.

Die Vorfreude war schon riesengroß. Unsere Gesichter bemalten wir wie eine Tomate, was
schon mal für große Ausgelassenheit sorgte. Dann ging es los. Wir machten mehrere
Wettspiele, wie z.B. Topfschlagen oder “Eierlauf”. Unter dem Topf lagen diesmal keine
Süßigkeiten sondern Tomaten. Auch beim “Eierlauf” lagen Tomaten auf dem Löffel. Wir
hatten alle viel Spaß, lachten und kicherten. Zum Abendessen gab es ,wer hätte das
gedacht, Tomaten, die natürlich viel besser schmeckten als die von ,,Lidl”.

Als ich die Kinder ins Bett brachte, strahlten sie alle und waren sichtlich glücklich. Einige fragten mich wann die Gurken reif sind und ob wir dann ein Gurkenfest feiern. Was ich natürlich gerne versprach.

Auch mir macht es immer wieder viel Freude zu sehen wie die Kinder, trotz der schwierigen Lage in der sie sich befinden, glücklich und ausgelassen sein können.

Für mich gibt es nichts Schöneres, als zur Arbeit zu kommen und die Kinder mit einem strahlenden Lächeln auf mich zukommen zu sehen.

Lydia

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