Archiv der Kategorie: GlücksProjekte

Tolle Projekte, die Dich und andere glücklich machen

Das Glücksforscher-Projekt

Für die Kinder der 4. Klasse Volksschule ist das heute ein ganz besonderer Tag. Schon vor zwei Wochen hatten wir im Glücksuntericht besprochen, eine Befragung zum Thema „Glück“ im Ort zu machen. Die Kinder fanden sich zu kleinen Gruppen zusammen und hatten viele Ideen, wohin sie gehen und welche Leute sie befragen könnten. Mit der Klassenlehrerin stellten sie einen Fragebogen zusammen und übten im Deutschunterricht Interview-Situationen.

Jetzt treffen wir uns in der Schule, um die Begleitpersonen, Eltern und Großeltern, zu informieren, und dann geht es los. Zu zweit oder zu dritt gehen die Kinder in die Apotheke, in ein Kaffeehaus, zum Bürgermeister und zum Pfarrer. Eine Gruppe geht zum Zahnarzt und zur Polizei, eine andere in den Kindergarten und zum Friseur. Auch im Blumengeschäft, im Altenpflegeheim, beim Arzt und im Lebensmittelgeschäft stellen die Kinder den Menschen diese zwei Fragen:

„Können Sie uns sagen, was Sie glücklich macht?“ und

„Wann haben Sie zuletzt einen Glücksmoment gehabt?“

Nach knapp zwei Stunden treffen wir uns wieder in der Schule und die Kinder erzählen, wie es ihnen ergangen ist. Viele positive Erfahrungen überwiegen, einige wenige Passanten hatten keine Zeit, aber die überaus meisten haben sich über die Befragung gefreut und den Kindern geduldig und ehrlich geantwortet. Eine Frau in einem Büro sagte zu den Kindern auf die Frage nach ihrem letzten Glücksmoment: „Das war gerade eben, als ihr zur Tür herein gekommen seid!“

Die Antworten, die die Kinder auf die beiden Fragen erhalten haben, versuchen sie nun, zu sortieren und zu ordnen. Die Kinder schreiben Begriffe und Stichwörter auf kleine Kärtchen und legen sie in die Raummitte. Danach versuchen wir gemeinsam, die Kärtchen dem PERMA-Modell* von Martin Seligman zuzuordnen, um zu überprüfen, ob es für jeden der 5 Bereiche passende Antworten gibt.

Die Zuordnung ist gar nicht einfach, manche Begriffe passen zu mehreren Bereichen und wir diskutieren darüber, wohin das Kärtchen besser passt. Am Ende sind wir aber alle mit dem Ergebnis zufrieden. Wir konnten zu allen 5 Elementen, die zum Wohlbefinden beitragen, viele Begriffe finden und das PERMA Modell wird somit erfahrbar für uns alle.

Noch wichtiger aber scheint mir, dass die Kinder mit viel Freude und Begeisterung gemeinsam unterwegs waren, sich engagiert haben, um zu einem Ziel zu kommen – das macht doch Sinn, oder?

* Mit dem PERMA Modell beschreibt Martin Seligman fünf Elemente, die wichtig sind für Menschen, um Lebenszufriedenheit und langfristiges Wohlbefinden zu erreichen:

P – Positive Gefühle

E – Engagement

R – Relationships – gelungene Beziehungen

M – Meaning – Sinn, Werte

A – Accomplishment – Zielerreichung

Mehr zum PERMA-Modell gibt es hier.

 

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Kann man Glück lernen?

 

„Haben wir heute Glück?“,

fragen mich ein paar Kinder auf dem Weg in die Schule. Eine schöne Begrüßung und eine wunderschöne Aufgabe, der ich jede Woche in der Volksschule Purbach nachgehen darf. Die Kinder meinen das „Schulfach Glück“, das schon das dritte Jahr als Schulprojekt läuft und regelmäßig in den 3. und 4. Klassen stattfindet. In diesen Einheiten lernen die Kinder etwas, das nicht abzuprüfen und mit Noten zu bewerten ist wie Rechnen, Schreiben und Sachunterricht. Sie lernen den wertschätzenden Umgang untereinander, Vertrauen zu sich selbst und den anderen, sie lernen ihre eigenen Stärken kennen und die der Mitschüler schätzen.

All das fließt natürlich auch in den allgemeinen Unterricht mit der Klassenlehrerin mit ein. Aber „es ist etwas anderes, wenn man speziell dafür zwei Stunden Zeit hat“, bestätigen auch die Lehrerinnen.

Das Grundkonzept „Schulfach Glück“ basiert auf einem Modell, dass der bekannte Psychologe und Glücksforscher Martin Seligman entwickelt hat. Er geht davon aus, dass man für ein gelungenes Leben sowohl kurzfristige Glückserlebnisse, als auch Lebenszufriedenheit bzw. Wohlbefinden braucht. In seiner langjährigen Forschung hat er herausgefunden, dass für das Wohlbefinden 5 Elemente besonders wichtig sind – positive Gefühle (P), Engagement und Aktivität (E), gelungene Beziehungen zu anderen Menschen (R, „relationships“), Sinn und Werte (M, „meaning“) und Zielerreichung/Erfolg (A, „accomplishment“).

  

Auf Grundlage dieses PERMA Systems hat Oberstudiendirektor Ernst-Fritz-Schubert 2007 das „Schulfach Glück“ entwickelt. In 6 Modulen werden den SchülerInnen positive Schlüsselerlebnisse vermittelt mit dem Ziel, alle fünf Elemente zu stärken und dadurch das individuelle Wohlbefinden langfristig zu erhöhen. Sie erfahren sich als wirksam und verantwortlich. Sie lernen, anderen zu vertrauen und sich in der Gemeinschaft wohl zu fühlen.

Ich bin überzeugt davon, dass es für unsere Kinder wichtig ist, zu erfahren, dass Glück erlernbar ist, und dass sie es durch persönliche Erfahrungen stärken und festigen können. Deshalb habe ich den Lehrgang „Schulfach Glück“ absolviert, in dem das Wissen sehr praxisorientiert vermittelt und dadurch viele Möglichkeiten geboten wurden, die Inhalte den Kindern weiterzugeben.

Persönlich sehe ich darin eine wunderbare Möglichkeit, im Schulalltag Themen weiterzugeben, die für das spätere Leben enorm wichtig sind. Es geht vor allem darum, Vertrauen zu stärken, die eigenen Fähigkeiten und Stärken zu erkennen und zu fördern, Herausforderungen zu meistern, sowie Kreativität und eigene Lösungswege zu entdecken. Jedes einzelne Kind hat ganz spezielle Fähigkeiten, die ans Licht gebracht werden können.

     

Die Spiele und Übungen stammen aus sehr unterschiedlichen Bereichen und ermöglichen es den Kindern, ihre eigene Ausdrucksweise zu finden. Es geht nicht darum, richtige Antworten zu finden und schlaue Ratschläge zu geben – es geht um gemeinsames Erleben, Lachen, spielerisch Lösungen zu finden und sich gegenseitig zu unterstützen. Das alles geht nicht von heute auf morgen. Es braucht Zeit, Vertrauen und den Mut, Fehler zu machen und wieder aufzustehen. Auch – und gerade wenn – eine Übung überhaupt nicht so läuft wie geplant, kann man viel daraus lernen.

Ziel des Glücksunterrichtes ist es, dass die Kinder durch praktische Erfahrungen Glücksmomente selbst erzeugen, spüren und auch benennen lernen und diese dann in ihren Alltag integrieren können.

Für das Schulfach Glück bekommen die Kinder keine Noten und man kann auch nicht zweifelsfrei feststellen, welchen Nutzen diese Stunden für ihr weiteres Leben haben – man kann es nur erahnen. „Mit einem Koffer voller Glück geht meine Reise weiter…“ schrieb mir ein Mädchen der 4. Klasse zum Abschied. Genau das ist es, was ich ihr und allen anderen Kindern wünsche – einen Koffer voller Erfahrungen und Werkzeugen, aus denen sie schöpfen können, wann immer es gut für sie ist.

 

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Unterrichten mit Kopf, Herz und Händen

Ich durfte vor einiger Zeit im Rahmen einer großen Veranstaltung für Kindergarten-PädagogInnen und LehrerInnen einen Workshop zum Thema 

„Wie man den glückbringenden „Flow“-Zustand bei Kindern erhalten und fördern kann“ 

gestalten. Ich habe in diesen zwei Stunden Einiges über die Hintergründe meines ersten Buches erzählt und auch praktische Übungen dazu gemacht. Es war ein schönes Erlebnis für mich, die Freude und Energie zu spüren, die die 70 TeilnehmerInnen an dem Thema, aber auch an ihrer Arbeit selbst haben. Es gibt viele PädagogInnen, die eine wunderbare Arbeit für und mit unseren Kindern leisten und davon bin ich von Herzen dankbar. Es ist ein wichtiger Beitrag nicht nur für uns Eltern, sondern auch für die ganze Gesellschaft, in die die Kinder hineinwachsen und für die sie später einen Beitrag leisten sollen.

  

Auch in der Volksschule in Purbach (Österreich) , wo ich jeden Dienstag das „Schulfach Glück“ gestalte, bekomme ich immer wieder Einblicke in die großartige Arbeit der LehrerInnen. Sie machen sich Gedanken um jeden einzelnen Schüler und versuchen, die jeweiligen Bedürfnisse bestmöglich zu erfüllen – auch wenn das nicht immer einfach ist. Sie hören zu, nehmen sich Zeit und vermitteln den Kindern ein Gefühl von Sicherheit. Sie gehen auf die jeweiligen Stärken und Schwächen der Kinder ein und ermutigen sie, wo es möglich ist. Sie bauen in den, meist vier, Jahren, in denen sie eine Klasse begleiten, eine ehrliche Beziehung zu den Kindern auf – und werden vermisst, wenn sie eine Weile nicht da sind. Nur über solche Beziehungen ist echtes Lernen möglich, und damit meine ich viel mehr als Lesen, Schreiben und Rechnen…

Es ist gut, zu wissen, dass unsere Kinder nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit den Händen und vor allem mit dem Herzen lernen dürfen. Danke!

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Ein kleines Glücksprojekt

Das Tomatenfest

Ich arbeite in einer stationären Einrichtung, mit Kleinkindern und Kindern im Grundschulalter.
Die Kinder kommen aus schwierigen Familienverhältnissen und sind zum Teil schwer
traumatisiert. Während der Eingewöhnungsphase sind diese Kinder oft sehr traurig. Aber nach und nach kann ich beobachten, wie es ihnen immer besser geht und sie wieder fröhlicher werden.

Es gibt viele Möglichkeiten den Kindern Glücksmomente zu bereiten. So z.B. saßen wir eines Abends beim Essen. Es gab u.a. Tomaten. Ich fragte die Kinder ob sie wüssten wo die Tomaten herkommen. Ein Junge antwortete spontan ,, von Lidl “. Ich erklärte ihm, dass Tomaten an einem Strauch wachsen und wir beschlossen am nächsten Tag Tomaten-und Gurkenpflanzen zu kaufen.

Gemeinsam pflanzten wir alles ein. In den folgenden Wochen kümmerten sich die Kinder eifrig um die Pflege der Pflanzen. Jedes mal wenn ich zum Dienst kam, berichteten sie mir die neuesten Fortschritte. Besonders groß war die Begeisterung als die ersten Tomaten und Gurken zu sehen waren. Ich versprach den Kindern einTomatenfest zu feiern, wenn die Tomaten reif sind. So verging die Zeit aber natürlich nicht ohne Aufregung.

Einmal geschah es, dass eines von unseren kleinen Kindern angekrabbelt kam und sich über die noch grünen Tomaten her machte. Wir hatten einige Mühe unsere Tomaten vor den Kleinen zu schützen. Doch eines Tages war es dann soweit.

Die Vorfreude war schon riesengroß. Unsere Gesichter bemalten wir wie eine Tomate, was
schon mal für große Ausgelassenheit sorgte. Dann ging es los. Wir machten mehrere
Wettspiele, wie z.B. Topfschlagen oder “Eierlauf”. Unter dem Topf lagen diesmal keine
Süßigkeiten sondern Tomaten. Auch beim “Eierlauf” lagen Tomaten auf dem Löffel. Wir
hatten alle viel Spaß, lachten und kicherten. Zum Abendessen gab es ,wer hätte das
gedacht, Tomaten, die natürlich viel besser schmeckten als die von ,,Lidl”.

Als ich die Kinder ins Bett brachte, strahlten sie alle und waren sichtlich glücklich. Einige fragten mich wann die Gurken reif sind und ob wir dann ein Gurkenfest feiern. Was ich natürlich gerne versprach.

Auch mir macht es immer wieder viel Freude zu sehen wie die Kinder, trotz der schwierigen Lage in der sie sich befinden, glücklich und ausgelassen sein können.

Für mich gibt es nichts Schöneres, als zur Arbeit zu kommen und die Kinder mit einem strahlenden Lächeln auf mich zukommen zu sehen.

Lydia

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