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Mut-Tour 2019

Depression und Glück – Geht das zusammen?

Ja, das kann funktionieren. Auf alle Fälle bei der alljährlich stattfindenden Mut-Tour. (https://www.mut-tour.de/)

Die Mut-Tour ist ein Projekt das es seit 2012 gibt. Ziel des Projektes ist es, dass Thema Depression mehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu stellen und, wie der Name schon sagt, Mut zu machen. Immer noch gibt es viele Menschen, die aus verschiedenen Gründen nicht offen mit ihrer Erkrankung umgehen können, sei es am Arbeitsplatz oder im privaten Umfeld.

Ich war selbst an einer Depression erkrankt und fing an, nachdem es mir wieder besser ging, Informationen über diese Erkrankung zu sammeln. Bei meinen Recherchen stieß ich auf die Mut-Tour. Mein Herz machte einen Freudensprung. Das war genau das was ich brauchte. Einerseits mich für Betroffene einzusetzen, andererseits gemeinsam mit anderen in der Natur zu radeln.

Es finden jährlich im Sommer Tandem-Etappen und Wander-Etappen durch ganz Deutschland statt. Die Touren sind so organisiert, dass es in den Orten, in denen man vorbeikommt, Interviews mit der Lokalpresse gibt, Öffentlichkeitsarbeit und Mitfahraktionen stattfinden.

Da ich gerne Fahrrad fahre, wollte ich unbedingt an einer Tandem-Etappe teilnehmen. Eine Etappe geht über 7 Tage. 6 Leute fahren mit 3 Tandems z.B. von Bonn nach Osnabrück.

Erste Herausforderung war das Aufsteigen und fahren mit dem Tandem. Alles muss absolut synchron sein, sonst funktioniert es nicht. Nach einigen Versuchen hatte es dann geklappt und die Fahrt ging los. Ich hinten als Co/Pilotin. Schnell wurde mir klar, dass ich hinten nichts machen konnte bzw. brauchte, außer mittreten. Also genoss ich die Aussicht. Bis zur ersten Kreuzung. Damit wir nicht immer Auf- und Absteigen müssen fuhr mein Pilot langsam an die Kreuzung heran. Die Straße kam immer näher und es blieb rot. Ich bat ihn doch anzuhalten, aber wir rollten und rollten. Langsam wurde ich nervös bis ich dann rief:,, Halt doch bitte an!“ Kaum waren wir vom Rad wurde es grün. War ja klar. Bis wir es geschafft hatten wieder aufzusteigen war schon wieder rot. Wir sind aber heil über die Kreuzung gekommen. Uns beiden ist klar geworden worauf es beim Tandem fahren ankommt. Der Copilot, also ich, sollte vertrauen können, während der Pilot die Verantwortung trägt. Beide sollten aber kompromissbereit sein und gleichberechtigt.

Also stellten wir Regeln auf für unsere gemeinsame Fahrt. Es gab immer wieder Situationen in denen wir uns nicht einig waren. Mein Pilot schlug vor eine Vertrauensübung zu machen. Jedes Mal wenn es brenzlig wurde rief er „Augen zu!“ Das fiel mir schwer. Irgendwann habe ich mich mal drauf eingelassen. Es war eine tolle Erfahrung, auch wenn mir dabei etwas mulmig war. Unsere Aktion sorgte jedenfalls bei den Anderen für viel Vergnügen. Das Gelächter war groß wenn der Ruf „Augen zu!“ durch den Wald schallte.

Es gab aber auch viele ernste und tiefgründige Gespräche, in denen jeder von seinen Erfahrungen mit der Depression erzählte. Immer wieder wurde mir klar, dass der steigende Druck in unserer Leistungsgesellschaft mit verantwortlich ist, dass immer mehr Menschen betroffen sind. Sogar schon Kinder und Jugendliche. Aber so eine Depression kann durchaus eine positive Seite haben. Sie sagt uns STOP. Bis hierhin und nicht weiter. Alle mit denen ich gesprochen habe, haben das so empfunden. Sie haben in Therapien gelernt achtsamer zu sein im Umgang mit sich selbst. Wie wichtig Selbstfürsorge ist und wie wichtig es ist einen Sinn zu sehen, in dem was man tut.

Auf der Tour haben wir mit vielen tollen Menschen gesprochen. Einige haben einen starken Eindruck bei mir hinterlassen. Ganz besonders eine Frau. Sie erzählte uns, dass sie an Morbus Crohn leidet.

Als sie 18 war, wurde ihr gesagt, dass sie keine hohe Lebenserwartung hat und dass sie auch keine Kinder bekommen kann. Lachend und glücklich stand sie vor uns und sagte: „Ich lebe immer noch und ich habe zwei gesunde, erwachsene Kinder“.  Durch ihre positive Einstellung und die Liebe und Unterstützung ihrer Familie hat sie gelernt mit ihrer Erkrankung umzugehen. Sie lässt sich jedenfalls nicht so schnell unterkriegen. Und dass strahlte sie auch aus. Wirklich eine tolle beeindruckende Frau.

Ihre Geschichte zeigte mir wieder einmal wie wichtig die fünf Säulen der positiven Psychologie (siehe PERMA Modell) für ein gelingendes Leben sind. 

Auf der Heimfahrt saß ich dann völlig beseelt im Zug und dachte über alles nach. Ich konnte viele Parallelen sehen zu dem was ich im Glückskurs gelernt habe. Und das Motto, gemeinsam sinnvolle Ziele erreichen und dabei Spaß haben, trifft hier absolut zu.

Einen ausführlicheren Artikel findest du hier.

Eure Lydia Bauer

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Umgang mit negativen Gefühlen – Mein Weg aus der Krise

Ich bin Erzieherin in einer stationären Kriseneinrichtung und betreue dort Kinder im Alter zwischen 6 und 10 Jahren. Die Kinder sind meist schwer traumatisiert und verhaltensauffällig. Die Arbeit mit den Kindern macht mir viel Spaß, bringt mich aber auch manchmal an meine Grenzen. Um neue Impulse zu bekommen und mich persönlich weiterzuentwickeln habe ich  an der Weiterbildung ,,Schulfach Glück“ teilgenommen. Kurz vor Ende des Kurses bin ich in eine tiefe Krise gerutscht, die sich zu einer Depression entwickelte. Die Ursache lag z. T. an den schwierigen Arbeitsbedingungen, in denen ich mich häufig überfordert fühlte. Ich habe die Welt nicht mehr verstanden. Ich dachte, ,,Ich weiß doch jetzt wie das geht mit dem Glück, ich habe es doch gelernt”.

Mit der Zeit hatte ich nur noch Angst und Schuldgefühle, so dass ich nichts mehr auf die Reihe bekam. Ansonsten fühlte ich gar nichts mehr. Ich war vollkommen handlungs- und entscheidungsunfähig. Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl waren verschwunden. Erschwerend kam noch hinzu, dass ich nicht mehr schlafen konnte. Den Kurs konnte ich nicht beenden. Auch alle anderen Dinge, die mir bis dahin viel Freude bereitet hatten, wie Sport,  Gitarre spielen oder in der Natur sein, machten mir keinen Spaß. Ich hatte keine Lebensfreude und keine Zuversicht mehr. Mir kam alles sinnlos vor.
Zu allem Anderen machte ich mir auch noch ständig Gedanken, dass ich mich bei meinen Kollegen/innen überhaupt nicht mehr blicken lassen brauche. Auch wenn sie mir versicherten, dass sie Verständnis für meine Situation haben, dachte ich, ,,Sie sind sicher sehr wütend auf mich, weil ich solange ausfalle”. Kurz und gut, in meinem Kopf waren nur noch negative Gedanken. Ich konnte das schwer akzeptieren. Ich war doch immer ein so zufriedener, positiver Mensch.

Meine Familie und meine Freunde versuchten für mich da zu sein und mir zu helfen. Obwohl ich während dieser Zeit nicht gerade nett zu ihnen war und niemanden sehen wollte. Sie gaben aber nicht auf, bedrängten mich immer wieder mir ärztliche Hilfe zu suchen.
Nach einer langen Odyssee hatte ich endlich einen guten Arzt und einen guten Therapeuten gefunden. Diese erklärten mir, dass Depression eine Krankheit ist, bei der bestimmte Botenstoffe im Gehirn nicht mehr ausgeschüttet werden und dass ich dafür für nichts kann.

Die Ängste und die Gefühllosigkeit sind typische Symptome dieser Erkrankung. Damit ich erstmal aus dem ganz tiefen Loch herauskam und wieder schlafen konnte wurde ich medikamentös eingestellt. Arzt und Therapeut machten mir aber auch klar, dass ich selbst etwas tun muss, um die Depression zu überwinden. Das leuchtete mir ja auch ein, aber irgendwie ging gar nichts mehr.

 

Um es mit der Metapher vom Reiter und Elefanten auszudrücken, der Reiter wollte los, der Elefant blieb liegen und war nicht zu bewegen aufzustehen. Durch das, was ich im Glückskurs gelernt hatte, wusste ich, dass jetzt der Reiter gefordert war, den Elefanten zu überzeugen, endlich wieder in die Gänge zu kommen. Also setzte ich mir ein smartes Ziel. Morgen gehe ich ins Fitnessstudio. Der Reiter packte die Sporttasche. Aber der Elefant dachte ,,nö” und wir legten uns wieder hin.

Doch der Reiter gab nicht auf. Irgendwann ließ sich der Elefant überzeugen. Wir könnten es ja mal versuchen, probehalber. Danach stellten wir fest, dass es uns irgendwie besser ging. Okay, dann können wir ja nochmal gehen. Nach und nach ging es immer leichter und fing sogar an, wieder Spaß zu machen.

 

Die Produktion der Botenstoffe in meinem Gehirn wurde wieder angekurbelt.
Jetzt ging es langsam aber stetig aufwärts. Eines Abends nahm ich meine Gitarre wieder zur Hand und merkte, dass ich nichts verlernt hatte. Alles war noch da. Das gab mir erneuten Auftrieb und ich ging, das Erste Mal seit langer Zeit, wieder zum Gitarrenunterricht. Dann setzte ich mir jeden Tag neue kleine Ziele. Und wenn diese Ziele doch noch zu groß waren, machte ich sie kleiner, sodass ich sie erreichen konnte. Mit der Zeit gewann ich meine Kraft und mein Selbstvertrauen wieder zurück. Das Schönste war, dass meine Gefühle wiederkamen, ich wieder Gänsehaut bekam, wenn ich Musik hörte, dass ich wieder Liebe und Mitgefühl empfand. Elefant und Reiter waren wieder im Einklang.

Durch die Krankheit habe ich nochmal eine andere Sicht auf die Dinge bekommen. Es gelingt mir heute besser im Hier und Jetzt zu leben und dankbar für die Dinge zu sein, die ich bereits erreicht habe. Hierbei hat mir auch all das sehr geholfen was ich im ,,Glückskurs” gelernt und erfahren habe. So z. B. ist mir noch einmal richtig bewusst geworden, wie wichtig positive Gefühle, Engagement, soziale Beziehungen und sinnvolle Ziele für ein glückliches und erfülltes Leben sind ( siehe PERMA Modell ).

Den Kurs konnte ich mittlerweile erfolgreich beenden. Ich bin jetzt zertifizierte ,,Glückslehrerin”.

Nachdem ich wieder vollkommen gesund war sind viele wunderbare Dinge passiert. U.a. hatte ich mir geschworen, wenn ich die Krise überwunden habe, will ich bewusster leben und meine Ziele hartnäckiger verfolgen.  Eins ist mir besonders klar geworden: Ich habe schon oft in meinem Leben tolle Menschen getroffen, zu denen ich Kontakt halten wollte. Leider ist mir das nie gelungen. Ein Ziel war es also dieses zu ändern. Im ,,Glückskurs” habe ich viele interessante Menschen  kennengelernt, zu denen ich nun regelmäßig und mit viel Freude Kontakt halte.

Die Bedenken und Ängste, die ich bezüglich meiner Kollegen/innen hatte, lösten sich in Luft auf. Ich wurde sehr herzlich von ihnen empfangen. Auch die Arbeit mit den Kindern macht mir wieder viel Freude. Mein Umgang mit den Kindern hat sich nach und nach verändert. Einfach dadurch dass mein Fokus jetzt mehr auf deren Fähigkeiten und Stärken ausgerichtet ist. So gelingt es mir meist schneller eine gute Beziehung aufzubauen. Die Kinder reagieren jetzt ganz anders auf mich. Sie sind viel offener und zugänglicher. Die Situationen in denen ich oft hilflos war kann ich jetzt viel besser händeln und wenn ich doch mal an meine Grenzen komme hole ich mir Hilfe.

Einige Methoden aus dem Kurs wende ich regelmäßig an, was den Kindern und mir viel Spaß bereitet. Es ist für mich wirklich schön zu beobachten, wie diese Kinder die bereits so viel Negatives in ihrem Leben erfahren haben, für einige Momente aufblühen und einfach nur glücklich sind.

Im Nachhinein kann ich sagen, dass ich gestärkt aus dieser Krise herausgekommen bin und   dankbar bin für diese Erfahrung. Sie hat mir noch einmal verdeutlicht  wie wichtig die kleinen Dinge im Leben sind. Durch die vielen positiven Erlebnisse im ,,Glückskurs” bin ich offener und mutiger geworden, was mir natürlich sehr hilft meine Ziele zu erreichen.

Glücksmomente kann ich viel besser wahrnehmen und genießen. Denn Glück, dass weiß ich jetzt, kann man lernen.

Lydia

 

Bilder: alle Bildrechte dieses Beitrags gehören Lydia

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Glück und Depression – zwei Spiegelgeschwister

Kürzlich war ich zu einer tollen Veranstaltung eingeladen zum Thema „Depression und Borderline“ – mit einem Vortrag zum „Glück“. Meine erste Reaktion: Hä? Meine zweite Reaktion: Ja, prima. Die Veranstaltung war spannend und sehr lehrreich. Vor allem die Erfahrungsberichte von Schülerinnen, die es aus der Depression geschafft haben oder gelernt haben, mit Borderline umzugehen. Es spendet Hoffnung, zu hören, wie man aus kompletter Niedergeschlagenheit, Verheimlichung, Selbstmordgedanken wieder zu einem lebenswerten Leben findet. Und es wird klar, dass Depression und Glück Spiegel-Geschwister sind.

Die Veranstaltung

Das LNK veranstaltete Anfang Juni 2018 eine Schüler-Konferenz in dem sehr schönen Kurpfalz-Theater in Bad Oeyenhausen. Das Haus ist verspielt, barock und traumhaft. Es waren etwa 300 Schüler ab Klasse 10 anwesend. Nach der sympathischen Anmoderation von Stefan Leiwen hörten wir einen informativen Vortrag „Vom Ende der Finsternis“ von Chefarzt Dr. Konkol über Depression. Mir ist wieder klar geworden, wie gut wir über Depression Bescheid wissen und doch in vielen Fällen erst zu spät helfen können. Und es wurde deutlich, wie nah sich die Themen Depression und Glück sind – quasi wie Spiegelbilder.

Danke auch an die Akademie des Glücks, das grandiose Team von GetPeople e.K. und die Sponsoren wie die Barmer.

Die Spiegel-Geschwister

Dr. Konkol zeigte ein eindrückliches Bild für Depression. Wir sahen Grau und Schwarz. Ein tiefes Loch im Boden. Auf dem Grund des Lochs eine kleine in sich gesunkene Gestalt ohne Hoffnung auf Entkommen. Sie fühlt sich allein – unabhängig davon, wie viele Menschen außerhalb des Lochs stehen.

Was ist das Spiegelbild eines grauen Lochs, in dem eine versunkene Gestalt kauert? Ja, ein farbiger Berg, auf dessen Gipfel eine Gruppe Reisender steht und den Erfolg feiert. In ein Loch fällt man <-> einen Berg erklimmt man. Im Loch sehe ich nur Loch <-> auf dem Gipfel sehe ich alles andere um mich herum.

Die Spiegel-Geschwister sind sich allerdings auch sehr ähnlich, und zwar in der Art und Weise, wie sie funktionieren. Die Mechanismen sind sehr komplex und können hier nicht ausreichend dargestellt werden. Aus meiner Sicht als Nichtmediziner sind für beide Geschwister einfach gesagt überwiegend die gleichen Gene, Hormone und Auslöser beteiligt. Zur weiteren Lektüre empfehle ich Esch (2012), Neurobiologie des Glücks.

Die verhaltenstherapeutische Behandlung von Depression ähnelt in den Themen und der Vorgehensweise an Glückstraining – beides zielt auf die Steigerung von Glücksmomenten und Lebenszufriedenheit und den besseren Umgang mit negativen Gefühlen. Beispiele dafür sind die Unterbrechung negativer Gedankenschleifen, Wahrnehmung positiver Lebensaspekte, Entspannungs- und Aktivierungsmethoden oder Umgang mit negativen Gefühlen.

Der Startpunkt unterscheidet sich naturgemäß: Bei Depressionstherapie geht es auf der Glücksskala von -5 in Richtung Plus. Beim Glückstraining von +2 auf +5.

Zu glücklich?

Allerdings gibt es auch ein „zu viel Glück“. Es gibt Menschen, deren soziale Beziehungen, Arbeitsleistung und Gesundheit negativ durch zu viele Glücksmomente beeinflusst werden. Das kann z.B. durch Drogen wie Ecstasy oder durch Erkrankungen wie z.B. Manie ausgelöst werden. Es gibt von allem auch ein „zu viel“. Allerdings denke ich, dass die überwiegende Mehrheit von uns sich da keine Sorgen machen muss 😉

Was heißt die Gemeinsamkeit von Depression und Glück für uns?

Interventionen für mehr Glück machen uns gleichzeitig widerstandsfähiger gegen Depression. Es ist absolut notwendig, darauf bereits im Schüleralter zu achten und Programme zu fördern, die Glück stärken – wie z.B. das „Schulfach Glück“ oder Glückstrainings für Erwachsene.

Glück ist nicht nur zum Spaß da! Es hat präventive und therapeutische Wirkung.
Auf zu mehr Glück!

Glückliche Grüße
Dominik

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