Schlagwort-Archive: Studie

Glück mit Corona

Der jährlich erscheinende GlücksAtlas der Deutschen Post wurde gestern veröffentlicht. Einige zusammenfassende Ergebnisse möchte ich dir hier vorstellen und anschließend einige Gedanken präsentieren, was die Ergebnisse bedeuten.

Die Kernpunkte:

  • Die Zufriedenheit in Deutschland ist im Schnitt leicht gesunken.
  • Hamburg und Schleswig-Holstein am glücklichsten
  • Nahhaltiger Konsum macht glücklich.
  • Deutsche sind Optimisten 🙂
    Corona als Treiber für nachhaltiges Wirtschaftswachstum

Zufriedenheit leicht gesunken

Eine positive Nachricht aus 2019 war die Rekordzufriedenheit von 7,14 Punkten auf einer Skala von 0 bis 10. 2020 sank sie auf 6,74 Punkte. Ist das viel oder wenig? 6% sind nach Ansicht der Autoren eher moderat. Hätten wir allerdings keine klare Erklärung durch Corona wäre solch ein Unterschied erschreckend hoch. Übliche Veränderungen liegen bei 0,1 Punkten statt jetzt 0,4.

Interessant dabei: Der Unterschied zwischen Ost- und West-Deutschland wurde die letzten Jahre immer kleiner. Dieses Jahr sind sie fast auf aufgehoben. Corona vereint 😉

Allerdings wichtiger bei der Interpretation ist, dass es sich hier um Mittelwerte handelt. Ich meine damit, dass Corona nicht bei uns allen eine moderate Verschlechterung bewirkt, sondern ganz unterschiedliche Auswirkungen hat. Das hängt von der Einstellung ab.

Wer Corona als vorübergehendes Phänomen sieht, das in naher Zukunft beherrschbar wird, dessen Zufriedenheit sinkt in der Regel nicht stark ab. Siehst du Corona als unkontrollierbare Bedrohung mit Langzeiteffekten, sinkt die Zufriedenheit stark ab. Das zeigt sich nicht nur in Studien (z.B. Uni Leipzig oder Uni Essex), sondern auch in meinen Seminaren und Beratungen. Auch der Glücksatlas weißt auf Unterschiede – allerdings eher demografisch (Frauen und Familien mit drei oder mehr Kindern sind stärker betroffen).

Corona kann unter bestimmten Umständen sogar die Zufriedenheit erhöhen: weniger Straßenverkehr, geringere Umweltbelastung, ruhigeres Arbeiten …

Wir sollten darauf achten, die Sicht auf das Positive nicht völlig zu verlieren, regelmäßig Dankbarkeit und Gelassenheit trainieren. Die Medien sollten stärker positive Aspekte und Fortschritte aufzeigen, negative Ereignisse z.B. bei Demonstrationen nicht überzeichnen, politische Entscheidungen transparenter machen. Institutionen sollten gerade jetzt auf die sozialen Ressourcen achten, Kolleg*innen sich gegenseitig unterstützen und vieles mehr.

Glück ist wichtiger denn je.

Hamburg und Schleswig-Holstein am glücklichsten

Der Trend der letzten Jahre setzt sich fort. Klar, dass Hamburg an der Spitze des Glücks-Rankings steht – da sind schließlich wir GlücksStifter 😉

Was mich ärgert, sind Darstellungen, dass einige Bundesländer “Schlusslicht” seien. Hamburg liegt bei 6,92 Punkten. Das heißt doch nicht, dass Hessen auf Platz 12 mit 6,63 Punkten unglücklich ist!

Nachhaltiger Konsum macht glücklich

Eine sehr gute Nachricht. Menschen, die nachhaltigen Konsum betreiben sind zufriedener und Nachhaltigkeit vermittelt ein gutes Gefühl. Allerdings ist sehr zu wünschen, dass sich das sehr bald in einem höheren Marktanteil für Bio-Produkte zeigt. Der lag 2019 bei mageren 6%. Das liegt daran, dass ein Großteil der Bevölkerung nicht bereit ist, deutlich mehr für Bio-Lebensmittel oder auch nachhaltiges Reisen auszugeben. Traurig. Auch traurig ist der immer noch sehr hohe Fleischkonsum in Deutschland (2019 im Schnitt 60 kg pro Person).

Ich sehe hier eine Chance für eine andere Art des Wirtschaftswachstums:
Qualität statt Quantität!
Lokal, bio, regional, fleischarm!

Optimismus der Deutschen

Deutsche sind vielleicht international nicht als Land der Optimisten bekannt – eher als Bedenkenträger und Fehlerfinder. Allerdings scheint das nach dem GlücksAtlas nicht (immer) zuzutreffen.

70 Prozent der Deutschen sind der Meinung, dass die Corona-Krise eine Chance für eine wachsende nachhaltige Wirtschaft sein kann. Auch ist die Mehrheit der Meinung, dass sich dadurch der Wert von Familie und Freunden deutlicher gezeigt hat und sie weniger im Leben brauchen.

Gemeinsam sinnvolle Ziele erreichen und dabei Spaß haben

Mein Wahlspruch bewährt sich 🙂 Lass und gemeinsam Glück trainieren.

World Happiness Report 2020 – ausgewählte Ergebnisse

20.03.2020 – der neue Glücksreport ist da. Hier einige besondere Ergebnisse des Reports und des Eröffnungs-Webinars der Forscher John Helliwell, Richard Layard, Jeffrey D. Sachs, and Jan Emmanuel De Neve und einigen anderen.

Generelle Entwicklung

Nordische Länder, Schweiz und Island behaupten wie üblich die Spitzenplätzen. Besonders bemerkenswert sind die hohen Werte der sozialen Unterstützung. Bei der Messung der Lebenszufriedenheit werden folgende 6 Faktoren zusammengefasst: Soziale Unterstützung, (gesunde) Lebenserwartung, Entscheidungsfreiheit, Großzügigkeit, geringe Korruption und Bruttosozialprodukt.

Deutschland ist wie im Jahr zuvor auf Platz 17 von 153 Ländern.

Gerade als Trostpflaster aktueller Krisen: Von der letzten Wirtschaftskrise 2008 erholten sich die Zufriedenheitswert nach drei Jahren wieder auf das gleiche Niveau.

Grün- und Wasserflächen

Grün- und Wasserflächen haben einen starken Einfluss auf das Wohlbefinden. Vor allem in Kombination mit eigenen Aktivitäten wie Gartenarbeit oder Outdoor-Sportaktivitäten.

Nachhaltigkeitsziele

Unter Nachhaltigkeitszielen sind unterschiedliche Aspekte wie Ökonomie, soziale und Umweltentwicklung gemeint. Länder, die am meisten für Nachhaltigkeit tun, sind am glücklichsten. Interessant dabei ist, dass sich dieser Effekt steigert, je aktiver ein Land ist. Deutschland ist hinsichtlich Glück aber auch Nachhaltigkeit in der Top-Gruppe aller untersuchten Länder.

Wichtig zu wissen: Aktionen zur Umsetzung nachhaltiger Ziele können erst einmal die Zufriedenheit reduzieren! (Anmerkung von mir -> Da heißt es: Immer wieder auf das größere Ganze verweisen und durchhalten.)

Das Geheimnis des Glücks im Norden

Diese vier Faktoren sind entscheidend für die langjährigen Spitzenplätze nordischer Staaten in Glücks-Rankings:

  • Gute staatliche soziale Leistungen (nicht nur Arbeitslosenunterstützung, sondern auch Schutz der Öffentlichkeit oder Marktregulation)
  • Demokratische und gut funktionierende Institutionen (Pressefreiheit, Wahlfreiheit, geringe Korruption usw.)
  • Vertrauen und Verbundenheit untereinander
  • Hohe Freiheit, Lebensentscheidung selbst treffen zu können (geringerer Druck von wirtschaftlichen Nöten, Politik oder Intolleranz)

Spannend für die Zukunft

In der Diskussion der Forscher beim Präsentations-Webinar ging es immer wieder um eine Frage: Was werden Krisen wie die aktuelle „Corona-Krise“ mit der Zufriedenheit der Menschheit machen. Hier geht es auch um langfristige Effekte – wie z.B. den Einfluss der beschleunigten Digitalisierung auf soziale Kontakte und gegenseitige Unterstützung. Wir Optimisten tun das unsere, um auch in Zukunft ein glückliches Miteinander zu fördern.

Dein GlücksStifter Dominik

Beste Zeiten: Längeres Leben

Jeden Tag füllt sich unser Gehörgang mit viel Unglück. Heute mal eine glückliche Nachricht.
Wir haben noch nie so lange (und so gut) gelebt wie in heutigen Zeiten.

Wir dürfen dankbar sein, dass wir und unsere Mitmenschen unter normalen Umständen auf ein langes Leben zurückblicken dürfen bzw. werden. Die Lebenserwartung steigt stetig:

[1]

Ich möchte hier nichts beschönigen. Das Sterben und Abschiednehmen von lieben Menschen reißen einem ein Stück Herz heraus. Auch gibt es hässliche Tatsachen über unwürdiges Altern. Allerdings täuscht uns unsere Erfahrung und Eindrücke darüber, dass die Situation immer schlimmer werde. Das Gegenteil ist der Fall. Es wird immer besser.

Die Ursachen für die steigende Lebenserwartung sind vielfältig: Geringere Kindersterblichkeit, gesündere Lebensbedingungen, bessere medizinische Versorgung, weniger Kriege.

Ein Ende ist nicht in Sicht. Sollten Sie bereits ihren 65. Geburtstag gefeiert haben, liegt Ihre Lebenserwartung in Deutschland zurzeit bei Männern etwa bei 82 und bei Frauen bei 86 Jahren [2]. Ob es eine natürliche bzw. genetische Altersgrenze gibt, ist umstritten. Derzeit werden die ältesten Menschen so um 120 Jahre alt. Die Zukunft wird uns zeigen, wieweit sich das noch steigern kann.

Und noch eine gute Nachricht: Nicht nur die Reichen werden immer gesünder und älter – auch der Mittelschicht und den Ärmeren geht es immer besser. Die Lebenserwartung ist hier nur eines von mehreren Anzeichen. Kinder aller Einkommensklassen haben eine nie dagewesen hohe Chance, zu überleben.

Das ist ja schön und gut. Aber ist ein längeres Leben auch ein besseres? Wollen wir im Alter dahinvegetieren mit Knie-, Rücken- und Hüftschmerzen sowie Demenz? Nein wollen wir nicht. Und auch das wird immer unwahrscheinlicher. Schon mal sowas gehört wie „40 ist das neue 30“? Das sind nicht nur einfach Sprüche. Ältere sind körperlich fitter als die Generation zuvor – Lebensstil, Sport- und Ernährungsgewohnheiten machen das möglich.

Und die abschließende gute Nachricht: Wir bleiben auch geistig immer fitter. 2000 bis 2012 sank die Diagnoserate von Demenz bei über 65jährigen in den USA um ein Viertel und das Durchschnittsalter der Diagnose stieg von 80,7 auf 82,4 Jahren [3]. Das ist auch in Deutschland zu beobachten [4].

Das wird uns nicht geschenkt – wir sind auch selbst mit verantwortlich für ein langes und erfülltes Leben. Also los geht es: Gemeinsam sinnvolle Ziele erreichen und dabei Spaß haben 🙂

Dein GlücksStifter Dominik

[Bild: Shotshop]

[1] Steven Pinker, Enlightenment NOW, Seite 54

[2] Statistisches Bundesamt 2018

[3] New York Times, 21.11.2016, https://www.nytimes.com/2016/11/21/health/dementia-rates-united-states.html

[4] https://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin-ernaehrung/alzheimer-demenz-neuerkrankungen-sind-ruecklaeufig-15487276.html

Glück im Lehrerberuf

Was ist in Schulen für Lehrerglück wichtig? Eine Studie zeigt: vor allem Selbstwirksamkeit, Sinn und Autonomie. Heute möchte ich die wissenschaftliche Arbeit von Kathi Wachnowski von der Ruhr-Universität Bochum vorstellen. Eine engagierte Vorzeigeforscherin mit dem Herzen am rechten Fleck. Ein Gespräch mit ihr ist wie ein Sprung in einen Wissenssee.

In der Studie „Glück im Lehrerberuf“ befragte sie in Österreich und Deutschland insgesamt 931 Lehrerinnen und LehrerLehrkräfte zu ihrer aktuellen Situation und den Effekt auf ihr Wohlbefinden. Die Ergebnisse sind sehr aufschlussreich.

Formelle berufsbezogene Aspekte wie Berufserfahrung oder Schulform nehmen im Großen und Ganzen keinen Einfluss auf das subjektive Wohlbefinden (SWB).

Einfach gesagt sind diejenigen Lehrkräfte glücklicher, die selbstbestimmt und sinnorientiert arbeiten. Überraschender Weise wirkt sich eine verlässliche und hilfsbereite Persönlichkeit nicht positiv auf das Lehrerglück aus (die Details finden Sie unten). Meine persönliche Vermutung ist, dass diese wichtigen Eigenschaften der Selbstfürsorge und dem Energietanken im Wege stehen können.

Was können wir daraus lernen? Eine Erkenntnis wird dadurch gestärkt: In der Schulentwicklungsberatung sollte es nicht in erster Linie um strukturelle Aspekte gehen. Viel wichtiger sind die Einstellungen der Lehrkräfte. Wenn die Lehrkräfte das wollen, lassen sich diese Einstellungen positiv trainieren für mehr Selbstfürsorge und Ausgeglichenheit. Wenn Sie dazu mehr Fragen haben, stehe ich gerne zur Verfügung.

Los geht’s 🙂

Glückliche Grüße,
Dominik

 

Detailerkenntnisse der Studie:

  • Formelle berufsbezogene Aspekte von LuL (Verbeamtung/Anstellung, Befristung/Entfristung, Stundendeputat, Berufserfahrung) und der Schule (Schulfom, Lage der Schule, Größe der Schule) nehmen keinen Einfluss auf das Wohlbefinden (SWB), Ausnahmen: Deutsche Stichprobe: Anteil der SuS mit Migrationshintergrund beeinflusst die Lebenszufriedenheit ganz gering negativ, Österreichische Stichprobe: Schülerzahl beeinfluss Lebenszufriedenheit negativ
  • Demographie: Ältere und religiöse deutsche LuL sind glücklicher (höherer positiver Affekt, geringerer negativer Affekt); österreichische Lehrerinnen empfinden weniger häufig negativen Affekt und österreichische LuL in Beziehungen empfinden weniger häufig positiven Affekt
  • Big5: Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit scheinen eher Risikofaktoren für das SWB zu sein (vA Förderung negativen Affekts, negative Beeinflussung von Lebenszufriedenheit)
  • Erfolgserleben (D), Selbstwirksamkeit (D und AT) und Autonomieerleben (AT) sowie die Bedeutsamkeit der eigenen Arbeit (AT) beeinflussen sowohl positiven Affekt und die Lebenszufriedenheit positiv und hemmen negativen Affekt.
  • In AT sind die Lehrkräfte affektiv glücklicher (aber nicht zufriedener).
    In AT sind die Lehrkräfte engagierter bei der Arbeit und identifizieren sich eher mit der Schule. Die Gründe dafür müssen noch ermittelt werden!
  • Da für die deutsche und die österreichische Stichprobe unterschiedliche Prädiktoren signifikante Einflüsse auf die Facetten des SWB zeigen, ist zu überlegen, ob SWB möglicherweise ein kulturelles Konstrukt ist. – Unterschiedliche Gruppen schätzen unterschiedliche Dinge, hier sollte man dann auch auf die Kultur der Einzelschule schauen!